Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Zweite Stufe der kleindeutschen Lösung der Einheitsfrage. 503 
ergaben, wie sie namentlich durch Frankreichs, vielleicht auch 
durch Rußlands Einsprache drohten. Als man sich dann, am 
26. Juli, mit Österreich vorläufig ins Reine gekommen sah und 
Bismarck am 4. August nach Berlin zurückgekehrt war, wurden 
sofort die Minister der Südstaaten zu Unterhandlungen ent⸗ 
boten. Am raschesten kam es darauf mit Württemberg zum 
Abschluß, am 18. August. Ein Angebot Wurttembergs, in den 
Nordbund einzutreten, wurde zunächst abgelehnt, da es gegen 
die preußisch⸗österreichischen Abmachungen verstieß. Das Gleiche 
geschah auch gegenüber den anderen Staaten. Dagegen stellte 
fich auch schon bei den württembergischen Verhandlungen heraus, 
daß die Südstaaten keineswegs geneigt waren, die in den 
Nikolsburger Präliminarien erwähnte besondere süddeutsche 
Union zu bilden: wenigstens Württemberg und Baden scheuten 
davor zurück. Sie wollten lieber Schutz⸗ und Trutzbündnisse 
mit Preußen abschließen. Und hier versagte sich Bismarck nicht, 
ja spielte, um sie durchzusetzen, in der öffentlichen Meinung 
sogar die französischen Kompensationsgelüste aus. So schloß 
denn Württemberg mit Preußen unter folgenden Bedingungen 
ab: Geheimes Schutz⸗ und Trutzbündnis, wonach beim Ausbruch 
eines Krieges die Truppen Württembergs unter den Oberbefehl 
des Königs von Preußen treten sollten; Wiederherstellung des 
Zollvereins; Vereinbarung zweckdienlicher und liberaler Grund⸗ 
sätze über Eisenbahnbau und Eisenbahnverkehr; Kriegs⸗ 
entschädigung von acht Millionen Gulden. Den Verhandlungen 
mit Württemberg aber folgten bald auch die Abschlüsse mit 
den anderen kleineren süddeutschen Staaten auf wesentlich gleicher 
Grundlage. So zunächst mit Baden am 17. August, dann auch 
mit Hessen-⸗Darmstadt, nach törichten Versuchen Dalwigks, sich an 
Frankreich zu halten, und einer erfolgreicheren Anklammerung 
an Rußland, am 3. September 1866. 
Etwas schwieriger gestalteten sich die am 22. August ab⸗ 
schließenden Verhandlungen mit Bayern. Hier forderte Preußen 
zuerst sehr viel, auch in einem späteren Stadium der Ver— 
—0 Kontribution von 
dreißig Millionen Gulden. Doch gelang es Bismarck, König
	        
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