Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

504 Fünfundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel. 
Wilhelm von der Landforderung abzubringen; gleichzeitig weihte 
er den führenden bayerischen Minister von der Pfordten in die 
damaligen Versuche Napoleons ein, das linke Rheinufer an sich 
zu bringen: wobei Pfordten Bayern als in der Pfalz bedroht 
erkannte und darum nun auch seinerseits das Schutz- und Trutz⸗ 
bündnis abschloß, das die anderen süddeutschen Staaten mit 
Preußen eingegangen waren. 
Die Friedensschlüsse mit den Südstaaten waren für die 
deutsche Zukunft von überaus glücklicher Bedeutung. Da man 
die Integrität der Staaten beinahe gänzlich anerkannt hatte — 
auch Bayern hatte nur kleine Landesteile zur Grenzberichtigung 
abzutreten —, erwies sich die Eigenliebe der Süddeutschen ge⸗— 
schont. Gleichzeitig aber waren sie durch die französische Ge— 
fahr zum Anschluß an den großen Nordbund unter Preußens 
Führung im Kriegsfall getrieben worden: militärisch war die 
Einheit des engeren Deutschlands nahezu vollendet. Dennoch 
waren auch durch diese Vorgänge süddeutsche Sonderbunds-— 
hestrebungen noch nicht völlig ausgeschlossen. 
Im Prager Frieden war den süddeutschen Staaten eigent— 
lich schon ihre Souveränität und auch ihr Länderbestand gewähr— 
leistet worden; zugleich aber waren sie durch diesen Frieden 
darauf hingewiesen worden, miteinander einen besonderen Süd⸗ 
hund zu begründen. Von diesem Bunde wollten nun allerdings, 
wie schon bemerkt, in Baden und in Württemberg wenigstens 
die Regierungen im Grunde nichts wissen: sie fürchteten in ihm 
eine Majorisierung durch Bayern. In Bayern dagegen suchte 
man um so mehr an dem Gedanken festzuhalten. Und ihn in 
bestimmtem Verhältnis zum Norddeutschen Bund und zu ster⸗ 
reich durchzuführen, war besonders der Gedanke des Fürsten 
Hohenlohe, des späteren Botschafters, elsaß-lothringischen Statt⸗ 
—O 
Bayern Minister des Außeren geworden war. Er vereinigte 
mit einer ausgesprochenen Überzeugung von der Notwendigkeit 
einer festen Stellungnahme zum Norden gut bayerisch-liberale 
Gesinnung, ganz im Sinne seines Königs, des phantastischen 
Ludwig II.
	        
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