Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

32368 Fünfundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel. 
Imperalismus schließlich, das autoritäre Korrelat der demo— 
kratischen Einheitsbestrebungen. Und man weiß, wie all diese 
gewaltigen Kräfte gerade in Mitteleuropa gewirkt haben: in 
vollster Harmonie ihrer möglichen Kombinationen innerhalb der 
Brenzen des heutigen Deutschen Reiches, das dadurch die 
führende Stelle unter den zentraleuropäischen Staaten erlangte, 
mit stärkerer Betonung vornehmlich der Einheitsidee und darum 
oerhältnismäßig früh in Italien, das seine wirtschaftliche Ent— 
wicklung erst neuerdings sozusagen nachholt; unter Einwirken 
vornehmlich des Imperialismus, und damit der am spätesten 
mobil werdenden Kraft, in dem national so vielgestalteten und 
zerrissenen Osterreich. Indem nun aber diese tiefen Kräfte zu 
wirken begannen und in der Einheit Italiens und des Deutschen 
Reiches wie in der Kräftigung der dynastischen Gefühle in 
Hsterreich politisch zutage drangen, lag und liegt es fast in 
der Natur der Dinge, daß diese drei Reiche sich zu Schutz 
und Trutz zusammenschließen. Denn wie hätten sie sonst Aus— 
sicht gehabt, den neuen Aufschwung der geschichtlichen Kräfte 
des europäischen Zentrums gegen Angriffe jener großen Staaten 
des Ostens und namentlich des Westens aufrechtzuerhalten und 
zu bergen, die in dem Fortgange der zentralen Bewegung not— 
wendig die Gefährdung ihrer eigenen und namentlich der west— 
lichen herrschenden Stellung fürchten mußten? 
Zwingend fast ergab sich aus dieser Lage für den führenden 
Staat der zentralen Gruppe, für das Deutsche Reich, ein 
Bündnis mit Österreich, und zwingend fast für Italien der 
Anschluß an diese Gruppe. Und vollends bewiesen und zu— 
gleich zum Abschluß gebracht wurde die neue Konstellation der 
europäischen politischen Gewalten durch den lange Zeit nur 
latenten, neuerdings aber immer klarer ans Licht drängenden 
Gegensatz auch Englands zu den zentralen Mächten, zunächst 
ind vor allem zu Deutschland. 
Nach den heutigen Möglichkeiten der Beurteilung der 
politischen Ereignisse im Verlaufe der letzten Generationen hat 
es den Anschein, als ob mit der Darstellung der soeben er⸗ 
zählten Zusammenhänge eine volle Erklärung — und damit auch
	        
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