698 Fünfundzwanzigstes Buch. Fünftes Kapitel.
weil in dem kulturell dem fortgeschritteneren Seelenleben höherer
Schichten nachhinkenden Leben zumeist der niederen Kreise ver—⸗
ankert, mit der Kraft einer Bremse auf den vielleicht allzurasch
vorwärts sausenden Wagen der Zeit.
Drohte ein allzu weitgehender Persönlichkeitsdrang in den
Jugendtagen der zweiten Periode des Subjektivismus die Nation
vielleicht aufzulössen, so bedurfte es demgegenüber allerdings
der Verstärkung gewisser gegensätzlicher, einigender, genossen—
schaftlich sammelnder Elemente. Dem entsprang das moderne
Bedürfnis nach Zusammenhalt in Vereinen, Gesellschaften,
genossenschaftlicher Gliederung überhaupt. Und in diesem
Zusammenhange war es kein Zufall, daß dies Bedürfnis eben
in der Zeit stärker empfunden wurde, da auch in der Politik
das Prinzip des Subjektivismus zu siegen begann.
Unbedingt bedauerlich aber blieb bei diesen tiefen und un—
abänderlichen Zusammenhängen die Tatsache, daß die Entfaltung
des deutschen und insofern nationalen Klerikalismus sich als an
die Bestrebungen einer auswärtigen, der jesuitisch-papalen Macht
geknüpft erwies. Wäre dieser Zusammenhang nicht vorhanden
gewesen, so würde der Klerikalismus wohl guten Teils als nichts
denn als eine konservativ-katholische Macht erschienen sein. Und
aus dieser Seite der Dinge erklären sich denn auch die nahen
Beziehungen, in die der Klerikalismus zu dem evangelischen
Konservatismus immer wieder getreten ist. Indem aber der
Klerikalismus zugleich jene Beziehungen zu Rom hatte, die ihm
ganz vornehmlich immer und immer wieder die Tendenz un—
zulässiger Machterweiterung der Kirche gegenüber dem Staate
einflößten, erklärt sich zugleich auch seine Stellung zum Libera—
lismus: die liberalen Forderungen der Preßfreiheit, Vereins—
freiheit usp. mußten ihm die Mittel darbieten, diesen in seinem
Wesen an sich nicht gelegenen kurialen Machtbestrebungen zum
Durchbruch zu verhelfen.
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Die soeben vorgetragenen Bemerkungen sind schon vor
einer Reihe von Jahren aufgezeichnet worden: sie umschreiben,