Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

408 Fünfundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel. 
Preußen betrifft, so hatte Manteuffel schon im Jahre 1851 
bekannt, daß er den Bund nicht für die Form halte, aus 
Deutschland etwas zu machen, sondern lediglich für das Mittel, 
den inneren Verfall Osterreichs zu verdecken und den kleinen 
Staaten Halt zu gewähren gegen die in ihnen herrschende 
Demokratie. 
Eben die von Manteuffel gekennzeichneten Tendenzen 
hatten nun Österreich und die kleinen Staaten in der Ab— 
sicht, den Bund dennoch durch allerlei Reformversuche zu 
galvanisieren, zusammengeführt. In sterreich gestaltete sich 
dies allgemeine Motiv seit 1859, im Verlaufe innerer Reform—⸗ 
bestrebungen, immer mehr dahin aus, den Primat in Deutsch⸗ 
land unter allen Umständen auch aus dem Grunde zu behalten, 
um durch die deutsche Hegemonie die Stellung der österreichischen 
Deutschen zu stützen, deren Vormachtstellung gegenüber den 
übrigen Nationalitäten man zur Begründung einer österreichischen 
Gesamtverfassung in individualistisch-liberalem Sinne bedurfte. 
Einer solchen Verfassung aber erfreuten sich innerhalb des 
Bundes schon die meisten Kleinstaaten, glaubten sie aber bereits 
durch den andrängenden demokratischen Subjektivismus mit 
seiner Hauptforderung des allgemeinen Wahlrechts wenn nicht 
gefährdet, so doch bedroht. In diesem Motiv also, dem der 
Erhaltung des alten liberalen, am Ende noch auf den Indivi⸗ 
dualismus des 18. Jahrhunderts zurückgehenden Staats- 
gedankens!, fanden sich Österreich und die Kleinstaaten zu— 
sammen. 
Demgegenüber betonte Preußen im Schlußmoment der 
geschilderten Verhandlungen zum ersten Male kühn und klar 
wenn nicht schon das Ideal des allgemeinen Wahlrechts, so doch 
das eines aus direkten Wahlen hervorgegangenen deutschen 
Parlaments: ein Ideal, das es dann in einem zweiten ent⸗ 
scheidenden Momente des Fortschrittes, in dem Ultimatum des 
Jahres 1866, geradezu durch das noch entschiedenere und 
ganz grundsätzliche Ideal einer aus allgemeinem, gleichem 
1S. oben S. 51 ff.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.