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Dichtung.
und die Welt des germanischen Mythos, dessen Götter im Be—
wußtsein ihrer Vergänglichkeit doch voll frohen Heldentums
dahinleben, Vorbilder eines menschlichen Heroismus, der nach
allem greift, selbst nach den Sternen.
In die Welt der Menschen hineingeboren ist der Künstler,
der Glockengießer Heinrich. Und trotz eines unbewußt in ihm
waltenden Strebens nach Vollgewalt im Bereich und mit den
Mitteln des ganzen großen belebten Alls sieht er sich in dieser
Welt, die zugleich die Welt des Christentums ist, festgehalten
durch sein Weib, das ihn nicht versteht, durch seine Kinder,
durch die Gemeinde, für die er ohne innere Befriedigung die
Glocke eines hoch am Bergesabhang gelegenen Kirchleins schafft.
Da stürzen die Wesen der zweiten Welt, der Welt der Natur—
gewalten, die Glocke während des Transportes zur Höhe ins
Thal, hinab in die dunklen Fluten eines Bergsees: sie ver—
eiteln die Entheiligung ihrer Regionen durch die Kirche. Dem
Künstler aber bedeutet diese Katastrophe schließlich nach herbem
Schmerz einen glückbringenden Umschwung: selbst mit in den
Sturz — „war's willig? widerwillig?“ — verwickelt, gelangt
er durch die alte Wittichen und Rautendelein in Verkehr mit
jener anderen, den Menschen und dem Christengott abgewandten
Welt, mit der Welt eines pantheistischen Glaubens. Und selbst
im tiefsten Herzen Pantheist, sucht er sie alsbald schöpferisch
zu bewältigen. Er zieht hinauf in die Berge; er will ein
Glockenspiel von unerhörter Gewalt schaffen, das, in einem
Sonnentempel aufgehängt, die Harmonie der Sphären tönen soll:
mit wetternder Posaunen Laut
Mach' es verstummen aller Kirchen Glocken
Und künde, sich im Jauchzen überschlagend,
Die Neugeburt des Lichtes in der Welt, —*
und er zwingt zur Durchführung dieses Planes die Natur—
gewalten mit der Vermessenheit menschlicher Ungeduld in
seine Dienste.
Und nun erlebt er, daß er doch selbst nur Teil ist dieser
großen Welt des Alls, nicht ihr Bezwinger und Beherrscher.
Die Naturgewalten empören sich, die Menschen stürmen gegen