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der Wähler umfaßte, nicht einen einzigen wirklichen Ver-
treter in politischem Amt. Aber die Interessen der Mittel-
klasse waren durch Tausende von Zeitungen und Zeit-
schriften, durch eine Schar politischer Redner, Anwälte und
Universitätsprofessoren und durch die Kraft des herrschen-
den Gesetzes und der Wirtschaftseinrichtungen vertreten.
Morgan leitet die Sache
Diese Tatsachen dürften eine ziemlich klare Vorstellung
von der Zusammensetzung und den Ansprüchen jener
Mittelklasse geben, die durch die Nachricht von der Zu-
sammenkunft in Morgans Haus in krampfhafte Erregung
versetzt werden mußte. Eine folgenschwere Versammlung
war es sicherlich, die am 8. Januar 1889 in Morgans Herren-
haus zusammenkam. Wen bemerken wir da? Dem An-
schein nach private Bürger, in Wirklichkeit Herrscher des
Landes: Jay Gould mit seinem am Gängelbande geführten
Sohn George; Stickney aus dem Nordwestgebiet; Roberts
von der Pennsylvania-Eisenbahn; den geschmeidigen Depew,
das Echo der Vanderbilts; Sloan von der Delaware-, Lacka-
wanna- und Western-Eisenbahn und ein halbes Dutzend
weitere Magnaten oder ihre bevollmächtigten Wortführer,
Die ehrenwerten gesetzgeberischen Körperschaften mochten
über die Ratsamkeit dieser oder jener gesetzgeberischen
Maßregel würdevoll debattieren; der geräuschvolle „Kon-
greß der Vereinigten Staaten“ mochte feierlich zusammen-
treten und, nachdem er Monate in Großsprecherei verbracht
hatte, behaupten, Gesetze gegeben zu haben; die hohen
und mächtigen Gerichtshöfe mochten eine strenge Miene
aufsetzen und mit Wichtigtuerei ihre Entscheidungen ver-
abfolgen. Aber in jenem Zimmer in Morgans Hause saßen
viele der tatsächlichen Herrscher der Vereinigten Staaten,
saßen die Männer, welche die Macht hatten, in der Bestim-
mung dessen, was geschehen solle, das letzte Wort zu
sprechen.
Morgan führte den Vorsitz bei der Versammlung und kam
mit gewohnter schroffer Offenheit direkt zur Sache. Dank
einem stenographischen Bericht über die Verhandlungen,