Full text : Die neuere Entwicklung des Petroleumhandels in Deutschland

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enorme  Vorräte  an  (40000  Zisternen  =  ca.  2  s / 4  Millionen  Fass
Rohöl)  dass  die  vorhandenen  Lagerräume  kaum  mehr  genügten.
Dadurch  wurde  der  Bestand  der  »Petrolea«  und  auch  der  des
Exportkartells  bereits  Ende  1904  so  gefährdet,  dass  ihre  Auflösung ­
  und  damit  die  Wiederkehr  der  alten  anarchischen  Zustände
zu  befürchten  war.  Unter  dem  Drange  der  Verhältnisse  liess  die
»Petrolea«  eine  Reduktion  des  Vorschusses  von  2  */ 2  auf  2  kr  per
100  kg  Rohöl  eintreten  und  setzte  gleichzeitig  die  Einlagerungsgebühr ­
  herauf.  Diese  Massregel  erfolgte  aber  zu  spät  und  war
daher  wirkungslos.  Ueberdies  erbitterte  sie  die  ohnehin  schon
durch  die  einseitige  Begünstigung,  die  die  »Petrolea«  den  Exportraffinerien ­
  zu  teil  werden  liess,  erregten  Reinproduzenten  nur  noch
mehr.  Infolge  vergrösserten  Absatzes  hat  sich  die  Situation  für
die  »Petrolea«  wohl  zeitweilig  etwas  gebessert,  doch  ist  sie  noch
immer  kritisch.  Das  Kartell  läuft  am  I.  Mai  1907  ab.  Aller
Wahrscheinlichkeit  nach  wird  es  nicht,  wenigstens  in  seiner  jetzigen
Form,  erneuert  werden.  Im  Frühjahr  1906  stand  die  Auflösung
infolge  gegenseitiger  Reibungen  der  Mitglieder  wieder  einmal  zu  befürchten, ­
  doch  gelang  es,  noch  einmal  den  Sturm  zu  beschwichtigen.
Als  eine  seit  ca.  25  Jahren  bestehende  freie  Vereinigung
sämtlicher  Interessenten  der  galizischen  Petroleumindustrie  ist
der  »Landes-Naphtha-Verein«  zu  nennen.  Er  befasst  sich  mit  allen
einschlägigen  Fragen  theoretisch,  vertritt  die  Gesamtindustrie  der
Regierung  gegenüber  und  hat  auch  verschiedene  seiner  Forderungen ­
  mit  Geschick  durchzudrücken  verstanden.  Im  allgemeinen
steht  auch  er  mehr  auf  der  Seite  der  Raffinerien.
Eine  Vereinigung  der  Reinproduzenten  besteht  noch  nicht.
Ueber  das  ganze  Petroleumgebiet  zerstreut,  unter  sich  uneinig,
waren  sie  eine  leichte  Beute  der  weniger  zahlreichen  und  sich
zusammenschliessenden  Raffinerien,  die  ihre  Uebermacht  nach
Kräften  dazu  benutzten,  Vorteile  für  sich  herauszuschlagen.  Doch
sind  jetzt  Bestrebungen  im  Gange,  eine  Organisation  von  ausschliesslich ­
  Reinproduzenten  zu  gründen.  Der  Anfang  hierzu  ist
gemacht  durch  die  Gründung  der  »Naphtabank«  in  Drohobycz.
Wünschenswert  wäre  im  Interesse  der  Produzenten  und  auch  wohl
der  ganzen  Industrie,  dass  eine  Vereinigung  ersterer  bald  zustande
käme.  In  dem  jetzigen  Zustande  sind  die  Verhältnisse  unhaltbar.
Also  auch  in  Galizien  finden  wir  die  Zentralisationsbestrebungen, ­
  deren  Notwendigkeit  und  gute  Folgen  uns  schon  bei  der
Betrachtung  der  amerikanischen  Erdölindustrie  entgegentraten.
            
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