Metadata : Vorschule der Volkswirthschaft

— 899 —

liert und in ihr noch die gehässige Macht erblickt, welchr nach Will⸗
kür seine Ausgaben vermehrt und seine Einnahmen vermindert!
Der Glaube, daß der Staat durch Verordnungen
und Verbote den Reichthum schaffen und gerecht ver—
theilen könne, ist die Quelle von all den Hoffnungen,
Ansprüchen und Beschuldigungen, welche die Ruhe und
das Bestehen des Staates und der ganzen Gesellschaft
umzustürzen drohen. Wenn nämlich die Bevormundung der
Arbeit, des Handels und des Verkehrs einmal erlaubt ist, und in
so weitem Umfange wirklich besteht, wo soll sie aufhören, und
wohin muß man folgerecht gelangen?
In der Paulskirche zu Frankfurt erscheint eine Petition der
Schiffer wegen gefährlicher Concurrenz der Dampfschiffe und volks—
chümliche Redner ergreifen das Wort für dieselbe. Und nichts als
zdillig! denn wenn ein einziges Gewerbe „Schutz“ erhält, warum
nicht auch das gedrückte Gewerbe der Schiffer? Mit dem gleichen
Recht und mit der gleichen Logik können aber auch die Fuhrleute
Schutz gegen die wohlfeilere Wasserfracht der Schiffer und am
Ende auch die Lastträger Schutz gegen die Anwendung von Pferden
 verlangen.
In derselben Paulskirche verlangte ein Reichstagsabgeordneter
Schutz der Handspinner gegen die Maschinenspinnerei. „Reiche
Fabrikanten erhalten Schutz, also auch arme Spinner.“ Und wenn
Schutz gegen die Spinnmaschine, warum nicht auch gegen jede
andere Maschine, denn jede macht Menschenkraft oder Menschen
arbeit überflüssig? So haben es auch die Arbeiter verstanden,
welche hier und da, zum Schutze der Arbeit“ Maschinen zerstört haben.
An mehr als einem Orte ist ferner die Ausfuhr von Lebens—
mitteln durch den Pöbel gewaltthätig verhindert worden, um die
Vertheuerung des inländischen Consum zu verhüten. Ist dieses
Verfahren nun nicht die Praxis jener Theorie, welche anräth, die
Ausfuhr von Rohstoffen zu erschweren, oder der natürliche Gegensatz
 anderer Schutzbestrebungen? Darf nämlich die Regierung eingreifen,
 damit Einige theurer verkaufen können, so darf man ihr auch
Eingriffe zumuthen, damit die Menge wohlfeiler einkaufen kann.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.