Full text: Gesellschaftslehre

Der Unterordnungstrieb. 
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sam nur auslösend gegenübersteht. Dagegen wird der Lehrer in dem 
Maße geschägt, wie er die Überzeugung erweckt, daß man bei ihm aus 
seinem Wesen heraus lernen kann; ebenso jeder Vorgeseöte und Führer 
in dem Maße, wie er den Eindruck macht, daß unter seiner Leitung 
etwas Tüchtiges geleistet werden kann. Die Unterordnung richtet sich 
auf die Person als Ganzes. Es muß also die Förderung aus dem Wesen 
der Persönlichkeit hervorgehen; sie muß als deren notwendi- 
ger Ausfluß erscheinen und nicht etwa nur als eine zufällige, durch 
irgendwelche äußeren Tatsachen mit ihr verbundene Eigenschaft. 
Die Gefahr, die innerliche Grundlage der Macht zu verkennen, liegt 
besonders nahe bei derjenigen Art von Macht, der die legten Beispiele 
entnommen waren und die im ganzen die größte Rolle im Leben der 
Menschheit spielt. Es ist dies, wenn man nach Wertbereichen unter- 
scheidet, der biologische Wert- und Machtbereich, wie er 
sich in Technik und Wirtschaft, Politik und Krieg, Verwaltung und 
Rechtsprechung darstellt. Der Unternehmer und der Feudalherr, der 
Feldherr und der Staatsmann sind bekannte Typen seiner. Diese Art 
der Macht enthält nach dem Gesagten zwei ganz verschiedene Förde- 
rungsmöglichkeiten in sich vereint, eine biologische und eine geistige: 
der Mächtige schügt gegen äußere Gefahren und sorgt für das äußere 
Wohl; er bietet zugleich aber auch der Seele die Möglichkeit emporzu- 
blicken und sich zu erheben. Zurücktreten oder fehlen darf dabei die 
geistige Seite auf keinen Fall, während die biologische bei anderen 
Formen der Macht allerdings fehlt oder fehlen kann. — Wegen dieser 
Bedeutung des Aufblickens kann der lediglich Gutmütige und hilfreiche 
Mensch unseren Trieb nicht erwecken. Das biologisch Mächtige muß zu- 
gleich eine geistige Macht sein, um unseren Unterordnungswillen zu er- 
regen: sich unterzuordnen ist der Mensch nur seinen Idealen gegenüber 
bereit. 
Eine der verbreitetsten Formen des Ideals aber ist freilich die 
äußere Macht sowohl in ihren gröberen wie in ihren feineren Abschat- 
tierungen. Hierhin gehört die Gestalt des Helden, die in allen gesunden 
Kulturen von deren einfachsten Formen an die allgemeine Verehrung 
des Volkes genießt. Eine wesentliche Seite bildet in ihren naiveren 
Formen, insbesondere auch für die kindliche Bewertung, die rein phy- 
sische Stärke. Allein aber ist es mit ihr wohl niemals getan: die Be- 
wunderung des Helden und Eroberers, des Siegers und Gewalthabers 
beruht im Grunde durchweg auf dem Eindruck einer Überlegenheit an 
Energie und Tatkraft, an Geistesgegenwart, Sicherheit, Frische und Be- 
stimmtheit, und wie sonst die Herrentugenden heißen mögen. Das gilt 
nicht nur für den einzelnen Menschen, sondern auch für ganze Klassen 
und Völker: die Eroberer werden im neu gegründeten Staate zu Herren
	        
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