Full text : Die Handhabung der Bäckereiverordnung

dorf. Diese wurde auch bereitwillig zugesagt. Aus eigener JZnitiative
wurden von dem Vertreter des Herrn Präsidenten — der Herr selbst
war gerade erkrankt — Herrn Dr Kuhn, noch die Vorsitzenden der drei
Grundbesitzervereine von Schöneberg, Wilmersdorf und Halensee
geladen.
Wir trugen dem Herrn alle unsere Wünsche vor, die Ihnen ja durch
den Herrn Vorredner schon bekannt sind, außerdem was uns Bäcker
besonders nahe geht, kurz und gut, wir versuchten die harten baupoli—
zeilichen Bedingungen der Verordnung soviel wie möglich abzuschwächen,
während wir die sanitären Forderungen, die doch eigentlich selbstver—
ständlich sind, in jeder Art und Weise zu unterstützen versprachen. Zum
Schluß überreichte ich einige Fragen, die von weitestgehendem Interesse
für die Durchführung waren. Die Beantwortung konnte der Herrt
Regierungsassessor nicht übernehmen und sagte eine zweite Unter—
redung zu. Diese fand dann auch statt und hatte Herr Dr Kuhn noch
die Herren Geh. Gewerberat Hartmann, Geheimrat Schmidt, Gewerbe—
rat Hesse und dessen Stellvertreter, die beiden letzten für Schöneberg,
eingeladen.
Hier gab vor der Verhandlung Herr Geheimrat Hartmann folgende
Erklärung ab. Der leitende Gedanke bei der Durchführung der Ver—
ordnung bleibe das Wort des Ministers „Bestehende Werte sollen nicht
gekürzt werden“. Selbstverständlich müsse die Verordnung durchgeführt
werden, doch solle dem 8 17 der weiteste Spielraum gelassen werden.
Der Herr Geheimrat verbreitete sich des längeren darüber, was zwischen
der Unterredung bei dem Polizeipräsidenten bis zu dieser Unterredung
geschehen sei und gab seiner Freude Ausdruck, daß er sich aussprechen
konnte. Wir alle waren über die Worte hocherfreut und glaubten nun,
da ja auch einige Gewerberäte teilgenommen hatten, daß alles im
besten Gleise war, wenn allerdings der Herr Geheimrat auch erklärt
hatte, so lange Dispense wie in Sachsen würden hier in Berlin nicht
erteilt werden:
Wie erstaunten wir aber, als?die ersten Untersuchungen bekannt
wurden! Von einer milden Handhabung war nichts zu spüren, im
Gegenteil, rigoroser konnte nicht vorgegangen werden. Erstaunt fragten
wir uns, was ist denn vorgefallen und da gibt wohl der nachstehende
Artikel vom 1. 10. o8 aus dem „Vorwärts“ die beste Antwort:
„Die neue Bäckereiverordnung soll so human
wie möglich gehandhabt werden. Das ist einer Abordnung der
Bäckerinnung und der Grundbesitzervereine, die man auf dem
Polizeipräsidium in Schöneberg empfing, durch den Geheimrat
Hartmann versichert worden. — Das Wort „human“ muß in
diesem Zusammenhange jedoch nicht mit „menschenfreundlich“,
sondern mit „bäckermeister- und grundbesitzerfreundlich“ über—
setzt werden. Einen anderen Sinn kann es nach der Darstellung,
welche die neueste Nummer des Bäckernieisterorgans Concordia—⸗
Fachzeitschrift“ von der Unterredung auf dem Schöneberger
Volizeipräsidium gibt, nicht haben. Danach ist die in Aussicht
            
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