fullscreen : Die deutsche Ölmüllerei

40  I-  DieLage  derölmüilerei  in  Preußen  vor  Einführung  derGewerbefreiheit.
Kuchen  herauszuholen.  Er  läßt  dort  den  Lösekeil  durch  den
Löserammei  losschlagen  und  zieht  den  Treibekeil  heraus.  Dann
nimmt  er  die  Pfanne  heraus,  nimmt  die  Scheibe  ab,  faßt  an  den
Zipfeln  des  Haartuches  an  und  hebt  den  Ölkuchen  heraus,  nimmt
das  Haartuch  ab  und  setzt  den  gepreßten  Kuchen  auf  den  Preßklotz;
  dann  breitet  er  das  Häartuch  wieder  über  die  Pfanne  und
der  Einwärmer  bringt  den  nächsten  Beutel  und  setzt  denselben,
wie  bereits  oben  erwähnt,  auf  das  Haartuch.  Nun  nimmt  der
Einwärmer  den  im  Schlagtuch  befindlichen  Kuchen  mit  zum
Wärmeherd,  löst  das  Schlagetuch  ab,  setzt  den  Kuchen  an  einen
bestimmten  Ort,  reibt  das  Tuch  aus,  breitet  es  über  den  Wärmerahmen ­
  und  rafft  das  gewärmte  wieder  darauf.“
Auf  diese  Weise  wurde  die  ganze  täglich  zur  Verarbeitung
kommende  Menge  Saat  verarbeitet  und  dann  erst  zur  zweiten
und  eventuell  auch  noch  zur  dritten  Pressung  übergegangen,  wobei ­
  auf  dieselbe  Weise  wie  bei  der  ersten  Pressung  verfahren
wurde.  Es  ist  leicht  zu  verstehen,  daß  eine  derartige  Arbeitsteilung ­
  ein  bedeutend  schnelleres  Arbeiten  und  damit  auch  bessere
Ausnutzung  der  Maschinen  gestattete,  als  wenn  der  Ölmüller
auch  den  Wärmeherd  bedienen  mußte,  ging  doch  in  letzterem
Falle  die  ganze  Zeit,  während  welcher  der  Ölmüller  am  Wärmeherde ­
  bzw.  mit  dem  Einpacken  der  Saat  zu  tun  hatte,  für  die
Pressung  verloren.
Als  Abschluß  meiner  Untersuchungen  über  Wind-  und
Wassermühlen  muß  ich  mich  noch  mit  den  Leistungen  der  Betriebe, ­
  ihren  Unkosten,  sowie  den  Preisen  der  Fabrikate  beschäftigen. ­
  Ohne  Zweifel  wäre  es  gerade  für  meine  späteren
Untersuchungen  zu  Vergleichszwecken  von  großem  Vorteil,
könnte  ich  hier  genaue  Zahlen  über  Betriebsgrößen,  Unkosten,
Löhne  und  Arbeitsverhältnisse  anführen,  doch  ist  dies  leider
nicht  möglich,  da  die  an  sich  schon  spärliche  Literatur  jener
Zeit  in  diesem  Punkte  fast  völlig  versagt,  und  derartige  Feststellungen ­
  sich  heute  nicht  mehr  mit  Sicherheit  machen  lassen.
Zu  der  uns  hier  beschäftigenden  Zeit  drückte  man  die  Größe
eines  Betriebes  nicht,  wie  man  dies  heute  meistens  tut,  in  Pressen
oder  in  der  jährlich  verarbeiteten  Menge  Rohmaterial  aus,  sondern ­
  man  rechnete  damals  nach  der  Zahl  der  im  Betrieb  befindlichen ­
  zur  Saatzerkleinerung  dienenden  Stampfer  und  unterschied
dementsprechend  Ölmühlen  mit  zwei  bis  zwölf  Paar  Stampfern.
Waren  die  Ölmühlen  nicht  mit  Stampfwerken,  sondern  mit  Öl ­
            
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