Full text : Die deutsche Ölmüllerei

3.  Die  Produktionsverhältnisse  in  der  Ölmüllerei  um  1800.  4t

gangen  eingerichtet,  so  konnte  man  in  bezug  auf  die  tägliche
Leistung,  wie  schon  vorher  angeführt,  einen  Ölgang  mit  Steinen
von  5  Fuß  Durchmesser  und  8—10  Umdrehungen  in  der  Minute
ungefähr  4  Paar  Stampfern  gleich  setzen.
Um  die  auf  den  Stampfwerken  resp.  Ölgängen  zerkleinerte
Saat  auszupressen,  genügten  bei  2—8  Paar  Stampfern  2  Preßörter
  mit  je  e  i  n  e  r  Form,  hatte  die  Mühle  jedoch  mehr  als  8  Paar
Stampfer,  so  waren,  wenn  die  Arbeit  ohne  Unterbrechung  vonstatten ­
  gehen  sollte,  zwei  Preßörter  mit  je  zwei  Formen  oder
vier  mit  je  einer  Form  nötig.
Die  Größe  der  Mühlen  war  natürlich  in  erster  Linie  von  der
Stärke  der  zur  Verfügung  stehenden  motorischen  Kraft  abhängig.
Neben  dieser  dürfte  aber,  namentlich  bei  den  mit  Stampfwerken
arbeitenden  Mühlen,  auch  die  Raumfrage  von  großem  Einfluß
gewesen  sein;  um  die  Kraftverluste  bei  der  Übertragung  nach
Möglichkeit  herabzumindern,  legte  man  nämlich  die  Stampfen
meistens  in  einer  Linie  an,  und  es  wuchsen  dementsprechend
mit  der  größeren  Zahl  der  Stampfer  auch  die  Größe  des  Mühlengebäudes ­
  und  die  dafür  aufzubringenden  Baukosten.
Zur  Berechnung  der  Leistungsfähigkeit  der  Ölmühlen  ist  es
nötig,  die  Saatmenge  zu  kennen,  welche  in  einer  Grube  des
Stampfwerkes  pro  Tag  zum  Auspressen  gehörig  hergerichtet
werden  konnte.  Unter  Zugrundelegung  einer  derartigen  Angabe,
nach  welcher  in  einer  Grube  in  vier  Stunden  ein  halber  Scheffel
Leinsamen  zum  einmaligen  und  völligen  Auspressen  verarbeitet
werden  konnte 21 ),  erhält  man  als  Leistungsfähigkeit  der  verschieden ­
  großen  Ölmühlen  folgende  Zahlen:

Zahl  der  Verarbeitete  Samenmenge  in  Scheffel
Stampfer-  bei  einer  täglichen  Arbeitszeit  von
paare  12  Stunden  16  Stunden

2  3  6
4  6  8
6  9  12
8  12  16
10  15  20
12  18  24

21 )  Schreiber,  „Praktisches  Hilfsbuch“  S.  32.  Von  den  sogen,  fetten
Ölsaaten,  wie  z.  B.  Raps  und  Rübsen  konnte  zwar  in  derselben  Zeit  durchschnittlich ­
  das  Doppelte  der  für  Leinsaat  angegebenen  Menge  zerkleinert
            
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