Full text : Die deutsche Ölmüllerei

3.  Die  Produktionsverhältnisse  in  der  Ölmüllerei  um  1800.  39

das  In-  und  Ausdeingangbringen  der  Preßschüsser  bei  den  Rammpressen ­
  sowie  das  Anspannen  der  Schraubenpressen  viel  Kraft
erforderte.  In  den  Alleinbetrieben  mußte  naturgemäß  der  Ölmüller ­
  sämtliche  einschlägigen  Arbeiten  nacheinander  verrichten,
beschäftigte  der  Ölmüller  jedoch  einen  oder  mehrere  Gehilfen,
so  fand  Arbeitsteilung  statt,  d.  h.  die  Arbeiten  wurden  so  verteilt, ­
  daß  sie  schneller  vonstatten  gingen,  als  wenn  jeder  für  sich
allein  sämtliche  Verrichtungen  nacheinander  ausführte.  Die  Arbeitsweise ­
  in  einem  Betriebe,  in  welchem  außer  dem  Ölmülier
noch  ein  Arbeiter  beschäftigt  war,  wird  uns  in  einem  technologischen ­
  Werke  der  damaligen  Zeit  geschildert,  und  lasse  ich
diese  Beschreibung  des  besseren  Verständnisses  halber,  und
um  für  die  später  zu  besprechenden  Änderungen  in  der  Arbeitsteilung ­
  einen  Anhalt  zu  haben,  hier  im  Auszuge  folgen  20 ):  „Nachdem ­
  der  Same  in  den  Stampfen  gehörig  gestampft  ist,  wird  er
auf  den  Wärmeherd  geschüttet  und  gewärmt.  Hierbei  muß  viel
Vorsicht  aufgewendet  werden,  damit  er  nicht  verbrennt;  deswegen ­
  muß  er  mit  dem  Wärmeherdbrettchen  häufig  gewendet
werden.  Hat  der  Same  seine  richtige  Wärme,  wird  er  auf  das
auf  dem  Wärmeherdrahmen  ausgebreitete  Schlagetuch  gescharrt,
darauf  die  vier  Zipfel  des  Tuches  von  oben  gefaßt,  so  daß  dadurch ­
  ein  Beutel  entsteht,  welchen  der  „Einwärmer“  mit  der
rechten  Hand  faßt  und  zur  Presse  trägt.  Der  „Ölmüller“  setzt
unterdessen  die  Preßpfanne  auf  den  Preßklotz  und  breitet  über
dieselbe  das  Haartuch  aus.  Auf  dieses  setzt  der  Einwärmer
seinen  Beutel  und  geht  zum  Wärmeherd  zurück.  Der  Müller
hingegen  drückt  den  Beutel  in  die  Pfanne  und  überschlägt  mit
den  Zipfeln  des  Haartuches  denselben,  legt  eine  aus  leinenem
Tuch  gemachte  Scheibe  auf  das  Haartuch  zu  einem  Deckel  und
setzt  die  ausgefüllte  Pfanne  ins  Preßloch,  zieht  den  Lösekeil  in
die  Höhe,  setzt  den  Preßkeil  ein  und  läßt  den  Ölschlägel  gehen.
Während  der  Rammelschläge  auf  den  Keil  geht  er  nach  dem
Grubenstock,  macht  ein  Loch  leer  und  füllt  es  wieder.  Unterdessen ­
  ist  der  Treibekeil  durch  den  Schlägel  eingetrieben,  und
der  Ölmüller  befestigt  nun  durch  eine  Vorrichtung  den  Schlägel.
Darauf  läßt  er  aus  diesem  Preßloch  das  Öl  aus  der  Pfanne  abziehen
  und  geht  zum  zweiten  Preßloch,  um  den  gepreßten

20 )  Rosenthals  Ergänzungsbände  zu  Jacobsons  „Technologischem
Wörterbuch“.  1793.
            
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