Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

ITALIEN.  —  Sociales  (Volksbildung).

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herrschenden  Stagnation  brachte,  durch  welche  jeder  Aufschwung  der
an  sich  so  befähigten  ital.  Nation  in  Entwicklung  der  geistigen  Kräfte
wie  des  materiellen  Wohlstandes  unmöglich  gemacht  war.
Volksbildung.  Nach  einer  ministeriellen  Aufstellung*)  besassen
von  den  7721  Gemeinden  im  J.  IS®*/«,  7027,  1S*%;  dagegen  7290
Volksschulen.  Da«aber  in  manchen  Gegenden  die  »Gemeinden«  einen
Umfang  von  mehren  deutschen  Q.-M.  besitzen,  und  etwa  den  französ.
Kantonen  gleichen,  so  ergeben  diese  Zahlen  nur  etwa  in  Beziehung  auf
die  Zunahme  während  eines  Jahres  ein  richtiges  Bild.  Die  Zahl  der
Lehrer  stieg  gleichzeitig  von  12,475  auf  14,253,  die  der  Lehrerinnen
von  6631  auf  7604.  Die  Schulen  wurden  von  459,273  Knaben  und
341,929  Mädchen,  sonach  801,202  Kindern  besucht.  Im  nächsten
Jahre  stieg  die  Gesammtzahl  auf  939,234.  Es  ward  übrigens  festgestellt,
dass  von  je  1000  Einwohnern  weder  lesen  noch  schreiben  konnten  :

männi.  weibl.
in  den  alten  Provinzen  u.  der  Lombardei  .  .  461  574
-  Mittelitalien  641  750
-  Neapel  und  Sicilien  835  938

Da  die  Gesammtzahl  der  Kinder  im  Alter  von  6  —  12  Jahren
3'166,600  beträgt,  so  ergibt  sich,  wie  viel  noch  zu  thun  ist.  —  Im
J.  1S*%,  zählte  man  ferner  147  technische  Schulen,  250  Gymnasien  u.
87  Lyceen;  sie  waren  besucht  von:  7666  Gewerbschülern,  16,281
Gymnasiasten  u.  3948  Lyceisten.  Universitäten  gibt  es  19;  die  Studentenzahl ­
  ward  nur  zu  5508  angegeben  ,  während  es  im  Vorjahre
15,668  gewesen  sein  sollen,  wovon  9,  159  auf  Neapel  allein  gekommen
wären  ,  indess  diese  Universität  18"^%^  geschlossen  erscheint.  Nächst
Neapel  war  Pavia  am  bedeutendsten  mit  1173,  dann  Turin  mit  888
Studenten.  Die  übrigen  LTniversitäten  befinden  sich  zu  Bologna,  Cagliari, ­
  Camerino,  Catanea,  Ferrara,  Genua,  Macerata,  Messina,  Modena,
Palermo,  Parma,  Perugia,  Pisa,  Sassari,  Siena  und  Urbino.
Literatur.  Abgesehen  von  den  periodischen,  erschienen  1863  4243
Schriften  (worunter  aber  offenbar  eine  Menge  bloser  Broschüren).  Darunter ­
  solche  über:  Literatur  685  ,  Unterricht  608,  Theologie  460  (die
Kirche  also  bereits  überholt  durch  die  Schule!),  Volkswirthschaft,  Statistik ­
  etc.  286,  Geschichte  251,  Rechtswesen  239,  Politik  232,  Medicin
  228,  Technologie  226  etc.  —  Zeitungen  und  Zeitschriften  gab
es  1863  365,  wovon  119  in  den  alten  piemont.  Provinzen,  84  in  der
Lombardei,  54  in  Neapel,  4  6  in  Toscana,  24  in  der  Emilia,  21  auf  Sicilien ­
  und  17  in  den  Marken  und  Umbrien  gedruckt  wurden.
Geistlichkeit.  Man  zählt  nicht  weniger  als  44  Erz-  u.  185  gewöhnl.
Bischöfe  (in  dem  viel  grösseren  Frankreich  nur  17  Erz-  u.  71  Bischöfe).
Abgesehen  von  den  gewöhnl.  Geistlichen,  umfasst  der  Ordensclerus  (nach
einer  ministeriellen  Kammervorlage  vom  Febr.  1864)  in  82  verschiedenen ­
  Orden  u.  2382  Klöstern,  von  denen  658  den  Bettelorden  angehören: ­
  15,49  1  Mönche,  18,198  Nonnen,  4  168  Novizen  u.  7671  Novizinnen. ­
  —  Die  jährlichen  Erträgnisse  der  Geistlichengüter  sind  folgendermassen
  veranschlagt;  die  der  relig.  Corporationen  zu  16’216,532,
der  Bisthümer  7*737,214,  der  Fabriken  1  5*400,748,  der  Präbenden  etc.
*)  Annuario  dell’  Istruzione  pubblica  del  regno  d’Italia.
            
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