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PORTUGAL. — Militär, Sociales.
wenigstens einige Ordnung in die Finanzverwaltung gebracht worden zu
sein, doch kennen wir die Einzelheiten nicht.
Militär. 31,640 M. nach dem Friedens-, 70,855 nach dem Kriegs-
fusse, mit 3128, resp. 6482 Pferden und 90 Geschützen. Die wirkliche
Stärke war indess am 30. Juli 1864 : 21,257 M. mit 2050 Pferden und
36 ausgerüsteten Kanonen. — Formation:
Infanterie: 18 lieg, zu 8 Comp, im Frieden und zu 12 im Kriege, und 12 Jäger-
bataill. zu (i u. 8, resp. 10 Comp.
Carallerie: 2 I.anciers- und 0 Jägerreg. zu 0, im Kriege 8 Comp.
Artillerie: 4 lieg., 1 Bataill. Genie.
Ferner: Colonialtruppen in erster Linie 10,230, in zweiter Linie 13,834.
Festungen ( meist verfallen ) : Elvas, Jeruftienha, Campo Mayor,
Marvao, Peniche, Nonsando, Almeida und die Forts von Lissabon mit
dem einzigen Kriegshafen.
Flotte. 1 Linienschiff von 74 Kan., 1 Fregatte von 50, 3 Corvet-
ten à 18, 1 Brigg von 14, 3 Schooner, 12 kleinere Segelschiffe und 14
Dampfer mit 124 Kan. (worunter 7 Dampfcorvetten mit 94 Kan.) ; —
zusammen 35 Fahrzeuge mit 328 Geschützen und 3281 Mann.
Rückblicke. 1783 besass Portugal noch 9 Linienschiffe und 9 Fre
gatten. — Im Peninsularkriege waren die port. Truppen nach englischer
Art organisirt und bildeten in Wirklichkeit ein tüchtiges Corps.
Sociales. Auch hier sind : Adel und Geistlichkeit im Besitze des
Landes ; % desselben nicht angebaut. Hohe Zölle bewirkten das Gegen-
theil einer Förderung der Gewerbsindustrie ; solche ist fast gar nicht vor
handen ; zahllose Beschränkungen, Monopole und Begünstigung von
Corporationen wirken dazu mit ; ebenso das Niederhalten der Volks
bildung durch den die Schulen beherrschenden Klerus. 1822 zählte man
29,000 Geistliche, aber nur 873 Elementarschulen! Unter jenen Geist
lichen befanden sich 1 1,484 Mönche und Nonnen; der Klerus hatte ein
Einkommen von 3% Mill. Mil-Reis. (Der Patriarch von Lissabon bezog
allein 48,000.) Selbst 1854 bestanden erst 1349 Volksschulen = 1 auf
3000 Einwohner, und 1 Schüler auf 84 Menschen! — Trotz Aufhebung
der Majorate ist das Grundeigenthum noch wenig getheilt ; durchschnitt
lich umfasst ein Besitzthum 58Yg Hectaren (in Belgien nur 3, in Frank
reich 4 Hectaren). Allein die Umgestaltung^ die Vermehrung der kleinen
Grundbesitzer, das Freiwerden des Bodens, sind bereits im Gange,
durch Vernichtung der Majorate, Einziehen der Klostergüter und Ab
lösung der Renten.
Production. Getreide, ministerielle Berechnung für 1854:
Production P309,020 Moios (à 828 Lit.) = I0’838,ß8() Hectol.
Consumtion P241,185 - = 10’277,012
Während aber 1854 eine Getreideausfuhr von 10*293,Uüü Fres, vorkam, stieg
in Folge von Misserndten 1856 die Einfuhr auf 22’ü20,UOO Fres, im Häfen von
Lissabon, und auf 1’2G4,0Ü0 in dem von üporto.
Nach Forrester bedecken die Weinberge blos im Continentalgebiete
800,000 Acres oder etwa 324,000 Hectaren. Mittlere Weinausfuhr:
1678—1687
1698—1707
1718—1727
1757
632 Pipen
7,188
17,692
12,488
1775: 24,013 Pipen
1795: 55,911
1798: 72,496
1807: 54,718
1833
1843—52
1857—58
20,809 Pipen
33,176
19.434*)
= 102,550 Hectolit.