Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

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GRIECHENLAND.  —  Land  und  I.eute.

B.  Ionische  Inseln.
Hauptinseln  *)  Q.-H.  Einw.  1863
Korfu  ....  13,3  64,359
Paxo  0,4  4,901
Sta.  Maura  .  .  .  6,3  20,737
Thiaki  (Ithaka)  .  1,8  11,926
Confession:  Die  griechische

Hauptinseln
Kephalonia.  .  .
Zante
Cerigo  (Cythera)  .
Zusammen
Total  A.'  u.  B.

Q.-M.  Einw.  1863
12,5  72,787
7,8  39,367
5,3  14,454

47,4  228,531
947  1’325,341
orthodoxe  herrschend  ;  Katholiken
etwa  50,000  auf  Syra,  zu  Athen,  auf  den  Ionischen  Inseln;  einige  Protestanten. ­
  Die  Mohammedaner  sind,  bis  auf  wenige  zu  Chalkis,  vertrieben ­
  (1821  zählte  man  noch  90,830).  —  Nationalitäten.  Ueber  900,000
eigentl.  Griechen  (nach  Fallmerayer  ein  albanesisches  Mischlingsvolk);
gegen  280,000  Albanesen  (Arnauten,  ein  bulgarisch-slavisches  Mischlingsvolk); ­
  20—30,000  Armenier;  eine  Anzahl  »Franken«  (West-Europäer, ­
  namentl.  Italiener  auf  Ionien),  endlich  im  eigentlichen  Griechenland ­
  höchstens  500,  auf  den  ionischen  Inseln  aber  etwa  6000  Juden.  —-Städte:
  Athen  1862  41,298  Einw.,  Piräus  6425;  Hermopolis  (aufder
Insel  Syra)  18,511,  Patras  18,342,  Argos  10,000;  —  Korfu  15,921,
Zante  18,000.
Jlerrschaftsverändenmg.  Der  neugriechische  Staat  verdankt  seine
Existenz  dem  Volksaufstande  von  1821.  Nach  Jahren  endlich  erfolgte
auch  die  Anerkennung  seitens  der  Grossmächte  ,  womit  aber  die  Beschränkung ­
  auf  unnatürliche  Grenzen  und  die  Octroyirung  des  bayerischen ­
  Prinzen  Otto  als  Kö  nig  von  Griechenland  (1832)  verbunden  ward.
Eine  Constitution  erlangten  die  Griechen  nicht  früher,  als  in  Folge  der
Revolution  vom  3.  Sept.  1843.  Nach  vielfachen  vorangegangenen  Bewegungen ­
  bewirkte  der  Aufstand  vom  Oct.  1862  den  Sturz  des  Königs
Otto.  In  Folge  eines  von  den  3  Schutzmächten  am  5.  Juni  1863  zu
London  abgeschlossenen  Protokolls  ward  der  Prinz  Wilhelm  von  Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg ­
  als  Georg  I.  auf  den  Thron  erhoben. ­
  In  Verbindung  damit  verzichtete  England  durch  Vertrag  vom
14.  Nov.  1863  auf  seine  Oberhoheit  über  die  Ionischen  Inseln,  welche
zu  einem  Bestandtheile  Griechenlands  mit  dem  Vortheile  immerwährender ­
  Neutralität  erklärt  wurden.  —  Zur  Geschichte  dieser  Inseln  sei  bemerkt ­
  :  Seit  dem  14.  Jahrhundert  bildeten  sie  ein  Besitzthum  der  Republik ­
  Venedig.  Der  Friede  von  Campo  Formio  brachte  sie  1797
unter  die  Herrschaft  Frankreichs;  1799  fielen  sie  in  die  Gewalt  der
Russen  und  Türken.  Ein  Vertrag  vom  21.  März  1800  verwandelte
Ionien  in  eine  Föderativrepublik  (»die  Sieben-lnseln-Republik«)  ,  welche
unter  türkischem  Schutze  stehen  sollte.  Zufolge  des  Tilsiter  Friedens
kamen  die  Inseln  wieder  in  den  Besitz  Frankreichs,  das  ihnen  dem
Namen  nach  eine  besondere  Verfassung  gab.  Indessen  besetzten  die
Engländer  im  Jahre  1810  die  wichtigsten  dieser  Eilande.  Zufolge  eines
Vertrages  der  Grossmächte  vom  5.  Nov.  1815  bildeten  sie  darauf  einen
selbständigen  Staat  unter  britischem  »Schutze«  ;  in  Wirklichkeit  wurden
sie,  aber  von  den  Engländern  nur  wie  eine  Colonie  behandelt  ;  und  genossen ­
  nicht  einmal  jene  Rechte,  welche  den  Bewohnern  der  wirklichen

*)  Ausserdem  16  kleinere  bewohnte  Inseln,  deren  Areal  und  Bevölkerung
bei  den  Hauptinseln  eingerechnet  ist.  —  Die  ion.  Inseln  bilden  nunmehr  die
4  Nomarchien  Korfu  (mit  Paxo),  Kephalonia,  Leukades  Sta.  Maura  u.  Ithaka)
und  Zante  (mit  Cerigo).
            
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