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sich jedoch nicht damit. Sie stellten zwei weitere nicht minder berüchtigte
Programme auf:
ı. Die Auswanderung nach den amerikanischen Kontinenten und den
ozeanischen Inseln, soweit es die Umstände erlaubten, zu ermutigen, zur
„friedlichen Durchdringung“ dieser Gebiete: die Politik der Übersee-Aus-
dehnung.
2. In die westliche Sphäre Chinas einzudringen, solchermaßen, daß in
Wirklichkeit ganz China von Japan beherrscht werde — durch Begünstigung
der Auflösung der chinesischen Republik und durch Schaffung von sich be-
kämpfenden Parteien, durch Eindringung in die Mongolei und deren Unter-
stellung unter „Protektorat‘“ unter gleichzeitiger Herauspressung aller wirt-
schaftlichen Möglichkeiten aus Sibirien. Das ist die kontinentale Politik.
Auf diesen drei Pfeilern ruht das Gebäude des ehrgeizigen japanischen
Imperialismus. Den ersten hat er schon ganz aufgerichtet, und jetzt arbeitet
er mit Zähigkeit daran, die beiden letzten zu vollenden. Ist es notwendig,
Ihnen die berüchtigten und beleidigenden „21 Forderungen‘ in Erinnerung
zu rufen, die er an China im Laufe des Weltkrieges stellte?
Welches ist das endgültige Ziel dieser aggressiven Politik? Japan, wie
ich schon am Anfang erwähnt habe, betrachtet die nationale Ausdehnung
auf Kosten Anderer als die größte Sache der Menschheit. Der japanische
Angriff bezweckt nichts anderes als Eroberungen im Interesse der Japaner
und Japans allein.
Um diese Behauptungen zu konkretisieren, werden wir Ihnen nun die
Politik Japans in Korea unter zwei Gesichtspunkten aufzeigen: Der Angriff
Japans auf Korea und die japanische Herrschaft in Korea seit 1910.
Der Angriff Japans auf Korea.
Mit dem Freundschaftsvertrag von 1876 fing Japan an, sich in die innere
Politik Koreas einzumischen, worauf in der Folge im Jahre 1885 anti-
japanische Demonstrationen in Söul stattfanden. Die Japaner verlangten
dafür von China Genugtuung, da sie behaupteten, daß bei den Zusammen-
stößen in Söul auch chinesische Truppen mitgewirkt hätten. Das Resultat
dieser Unterhandlungen war die Konvention von Tientsin von 1885, nach
dessen Wortlaut sich Japan und China einigten, ihre Truppen aus Korea
zurückzuziehen und keine mehr nach dort zu senden, ohne daß die eine
Macht die andere davon in Kenntnis’ gesetzt hätte. Als später gegen die
korrumpierte Regierung von Korea ein Aufstand ausbrach, verlangte diese
die Unterstützung der chinesischen Regierung zur Unterdrückung der Re-
bellion. Als diese erstickt war, wollte keine der Mächte mehr ihre Truppen
zurückziehen.
Da China sich weigerte, sich in die innere Politik Koreas einzumischen,