eben in einer vielfach langsameren Bewegung begriffen als
der des Abendlandes. Trotz aller Fortschritte, die das Credit-
wesen im letzteren machte, stieg sein Bedürfniss nach Cir-
culationsmitteln noch immer viel rascher als das Ostasiens,
und zwar, wie die historische Erfahrung zeigt, ungefähr
sechsmal so rasch als jenes. Und nunmehr stimmt auch der
von vSoetbeer adoptirte Erklärungsgrund Lees’ vollkommen mit
den Thatsachen, denn wenn durch äussere Einflüsse der Ver
kehr in irgend einem grösseren Theile Ostasiens zu rascherem
Aufschwünge getrieben wurde, stellte sich sofort eine mit
den europäischen Verhältnissen Schritt haltende Vermehrung
des CirculationsbedUrfnisses, ja, da es galt, Jahrhunderte lang
Versäumtes nachzuholen, zeitweilig sogar eine grössere Stei
gerung des CirculationsbedUrfnisses heraus, als in Europa.
Anderweitige Ursachen, wie z. B. die Unterbindung der
amerikanischen Baumwollausfuhren durch den Secessionskrieg
und der dadurch gesteigerte Bedarf an indischer Baumwolle
thaten noch ein Uebriges, um die Schwankungen in's Unge
heuerliche zu steigern. Aber die Thatsache des stetigen
Silberbedarfes Ostasiens ist nur aus dem Zusammenhänge
aller Erscheinungen des Edelmetall Verkehrs der ganzen Welt
vollkommen zu erklären.
Ostasien wird daher, das lässt sich mit Bestimmtheit
Vorhersagen, stets Edelmetalle absorbiren und zwar Silber, f
solange es auf der Silberwährung beharrt — falls nicht etwa
in jenen Ländern selbst grossartige und ausgiebige Edel
metallminen entdeckt und ausgebeutet werden sollten. Ob
dieser Bedarf auch zukünftig, wie bisher, hauptsächlich durch
Vermittlung Europa s, oder direct aus den australischen und
amerikanischen Productionsländern gedeckt werden, ob er in
gewissen Perioden geringeren oder grösseren Umfang erreichen
wird, das hängt von dem Laufe der Verkehrsentwicklung in
jenen Ländern ab. Ihre Aufnahmsfähigkeit für Edelmetall
kann aber nur zugleich mit ihrer Cultur oder zugleich mit
dem Ueberwiegen der Silber- und Gold])roduction im Abend
lande verschwinden.
Sehen wir nun zu, wie sich das österreichisch-ungarische
Verkehrsgebiet unter einem derartigen kosmopolitischen Ge
sichtspunkte in der Edelmetallbewegung verhält, so unterliegt