Full text : Die Social-Demokratie

GeskllschastShilfr.

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Socialismus  stehen  aber  nur  zwei  Wege  offen.  Entweder
es  entschließt  stch  die  besitzende  Klaffe  freiwillig,  die  von  der
Social-Temokratie  geforderte  sociale  Gleichheit  zu  realisiren,
und  dann  werden  nicht  von  unten,  sondern  von  oben  die
socialistischen  Plane  verwirklicht  lvcrden.  Oder  es  gelingt
dem  Socialismus,  auf  die  Gesetzgebung  einen  solchen  Einstuß ­
  auszuüben,  daß  diese  nach  Adoption  des  neuen  Princips ­
  durch  dem  entsprechende  Gesetze  die  bestehende  Gesellschaftsordnung ­
  allmählig  in  die  socialistische  Gesellschaftsform
überleitet  und  durch  die  Kraft  der  Gesetze  alle  widerstrebenden ­
  Elemente  zwingt,  sich  zu  fügen.  Weder  der  eine  noch
der  andere  Weg  hat  irgend  welche  Aussicht  auf  Erfolg.  Lassaüe
hat  zwar  auf  den  ersten  Weg  hingewiesen,  ohne  daß  wir
behaupten  können,  er  habe  sich  auch  mit  der  Hoffnung  getragen, ­
  auf  demselben  zum  Ziele  zu  gelangen.  Er  sagt  in
seiner  Frankfurter  Rede:  „Es  wäre  das  großartigste  Kultur-„faktum,
  es  wäre  ein  Triumph  des  deutschen  Namens  und
„der  deutschen  Nation,  wenn  in  Deutschland  die  Initiative  in
„der  socialen  Frage  gerade  von  den  Besitzenden  ausginge,  wenn
„sie  aufträte  als  ein  Produkt  der  Wissenschaft  und  der  Liebe,
„nicht  als  eine  Gährung  des  Haffes  und  der  wilden,  sans-„culottischen
  Wuth."*)  Auch  wir  legen  in  der  socialen  Frage
auf  die  Gesellschaftshilfe  ein  großes  Gewicht  und  betrachten
es  als  eine  sittliche  Pflicht  der  besitzenden  Klaffe,  durch
Opferwllligkeit,  durch  Werke  der  Liebe,  der  niederen  Klaffe
helfend  entgegenzukommen  und  versöhnend  zu  wirken.  Aber
eine  solche  Initiative  in  der  socialen  Frage  ist  himmelweit
verschieden  von  einer  Anerkennung  und  Unterstützung  der
socialistischen  Ideen.  Diese  wollen  ein  neues  Gesellschafts-Princip,
  das  Princip  der  Gleichheit  zur  Geltung  bringen,
*)  F  Lassallk,  Arbeiterlesebuch.  S.  55.
            
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