*202 Vili. Socialistische Zukunftsbilder.
„Sie soll'n voi: diesem Erdenballe
„Verschwinden einst auf immerdar;
„Das ist ein schönes frisches Ringen
„'Gen Sklaverei und Tyrannei —
„Und endlich wird ein Lied uns singen,
„Daß nun die Welt erlöset sei!"
So lehrt die „deutsche Marseillaise" (N. Soc.-Demokrat
1874, 136) die Proletarier singen und berauscht ihre
Herzen mit einem Glückstraum, der mit dem Erwachen alsbald
verschwindet; Hunger, Pest und Elend, dieses häßliche,
die Menschheit so oft plagende Trifolium wird vor der siegenden
Macht des Socialismus für immer verwelken. Daher
die Aufforderung: „Schließt Euch den Männern an, welche
„das eherne Lohngesetz mit sammt Hunger, Pest und Elend
„aus der Welt schaffen wollen! Folget der Fahne von
„Ferdinand Lassalle!" (N.Soc.-Demokrat 1874, 28). Diese
drei Geißeln der Menschheit zu beseitigen, darf keine Anstrengung,
kein Opfer zu groß erscheinen. Ja gewiß, wir
sollen mit allen Kräften dem Elend entgegentreten und es
zu mindern bestrebt sein. Aber wenn nur nicht die Hoffnung,
das Elend völlig beseitigen und ausrotten zu können,
ein eitler Wahn wäre! Wenn nur nicht diesem Wahne schon
allzuviel Opfer dargebracht worden wären, Opfer, die anstatt
das Elend für alle Zeiten zn bannen, nur neues und
größeres Elend erzeugt haben. Zu Opfern für diesen Wahn
soll das Proletariat begeistert werden, wenn der „N. Soc.-Demokrat"
(1873, 33) zum Gedächtniß der Erhebung der
Pariser Kommune schreibt:
„Wohl beklagen wir die vielen Opfer der Kapitalmacht,
„deren Blut in und um Paris den Boden netzte, wohl zieht ein
„Schauer durch unsere Seele, wenn wir all des namenlosen
„Elends in jenen Tagen gedenken. Und dennoch erfüllt die
„Erinnerung an jene glorreichen Kämpfe des Proletariats