Full text : Die Social-Demokratie

78  IH  Umsturz  d.  Ordnung  durch  die  Soc.-Demokratie.
„schaffen,  wie  jedes  andere  Recht,  nicht  mehr  und  nicht
„weniger.  —  Weil  durch  das  Erbrecht  —  das  nur
„  Wenigen  vergönnt  ist  —  die  Meisten  zu  kurz  kommen,  in
„ihrer  Zukunft  beeinträchtigt  sind,  darum  soll  es  abgeschafft
„werden,  damit  Alle  etwas  haben."
Wie  weiß  doch  die  Socialdemokratie  die  Nothwendigkeit  der
Abschaffung  des  Erbrechts  mit  schönen  Worten  darzustellen.  Sie
verfällt  freilich  dabei  in  den  ihr  in  hohem  Grade  eigenthümlichen
Fehler,  einzelne  Auswüchse  mit  dem  Wesen  einer  Sache  zu
verwechseln,  die  Verirrungen  Einzelner  als  das  Prinzip  der
Gesammtheit  zu  erklären;  sie  generalisirt,  wo  specialisirt  werden
sollte.  Uebrigens  ist  die  etwas  schwärmerische  Ausmalung  der
Annehmlichkeit  einer  Beseitigung  des  Erbrechts  ein  Beweis,
wie  die  richtige  Kenntniß  der  wahren  Menschennatur  die
schwächste  Seite  der  Social-Demokratie  ist.  Für  manchen,
der  mehr  Genußsinn  als  Erwerbssinn  und  Liebe  zu  seinen
Kindern  hat,  mag  die  Aufhebung  des  Erbrechts  etwas  Verlockendes ­
  haben.  Dies  führt  uns  zu  einem  anderen  Grund,
welcher  einen  Wegfall  des  Erbrechts  in  der  socialistischen
Gesellschaft  selbstverständlich  machen  wird,  ohne  daß  es  dekretirt
  zu  werden  brauchte.  Sobald  das  Privateigeuthum  nur
aus  Gegenständen  für  den  persönlichen  Gebrauch  bestehen  darf
und  hiermit  die  vom  Socialismus  vertretene  materialistische
Lebcnsanschauung  sich  verbindet,  die  den  Genuß  als  Lebenszweck ­
  setzt,  so  wird  auch  alles  Privateigenthum  verbraucht
werden  und  das  Erbrecht  von  selbst  wegfallen,  weil  zum
Vererben  nichts  mehr  vorhanden,  das  Erbrecht  also  gegenstandslos ­
  geworden  ist.  Mag  die  Social-Demokratie  in  ihrenl
auf  der  Basis  des  Kommunismus  zu  errichtenden  Znkunftsstaat
  die  Garantie  eines  allgemeinen  Wohlstandes  und  Wohllebens ­
  erblicken,  wir  sehen  in  derselben  eine  Gesellschaft,  die
von  der  Hand  in  den  Mund  lebt  und  statt  des  Reichthums
die  Armuth  allgemein  gemacht  hat.
            
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