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Als weiterer Schritt zur Neuordnung des Steuerwesens ist die Einführung einer Umsatzsteuer zu be-
trachten. Es handelt sich dabei um eine allgemeine Umsatzbesteuerung mit äußerst weitgehenden Be-
freiungen. Sie traf im wesentlichen nur die Umsätze des Großhandels, ausgenommen des Exports und
des Lebensmittelhandels, und wurde durch eine Luxussteuer auf den Verkauf gewisser Waren ergänzt.
Dazu kam die Erhöhung der Verbrauchsteuern, vor allem der Tabaksteuer und der Bier- und Brannt-
weinsteuer, die erstmalig im Jahre 1919 erfolgte und 1921 und 1923 noch weiter fortgesetzt und auf gewisse
andere Waren sowie auch auf die Zölle ausgedehnt wurde.
Der Erfolg der Steuerreform liegt in dem Anwachsen der Steuereingänge und in der grundsätzlichen
Neuregelung der Verteilung der steuerlichen Lasten. Während für 1913 ein Steuerautkommen von 350 Mil-
lionen fr. ausgewiesen wurde, wurden für das Jahr 1926 770 Millionen fr. Vorkriegskaufkraft!) erwartet.
Die Zusammensetzung des Steueraufkommens sollte nach dem Etat 1926 die folgende sein:
UT em
Einkommensteuer... ........ 1 497 34,6
Verbrauchsteuern ................. 0 MM 1 645 38,0
Erbschaftsteuer 2... 7... 145 3,4
Stempelabgaben und Enregistrement ...... 741 17,4
ET 300 6,9
Insgesamt.... 4 328 100,0
Bei dieser Aufstellung sind unter den Verbrauchsteuern die Theatersteuer, die Steuern auf Verkauf von
Tabak und Getränken sowie die Umsatzsteuer eingesetzt. Der Anteil der Einkommensbesteuerung ist
von 1914 bis 1926 um 10 vH gestiegen, der Anteil der Verbrauchsteuern um 9,5 vH gesunken. (Vgl. die
Übersicht auf S. 83.)
c. Der Ausgleich der Einnahmen und Ausgaben.
1919 1920 1921 1922 1923 1924 19252) 1926?) 19278)
in Millionen fr,
Ordentliche Ausgaben ...... 3416 2085 2 439 2923 3614 4075 5 258 5872 6 341
Außerordentliche Ausgaben . 210 899 1228 1 564 1018 453 487 261 192
Rückzuerstattende Ausgaben 1682 3.017 2.197 2 484 2506 2868 3612 635 580
Unterbilanz der. Betriebe ... 567 339 371 125 238 469 764 122 151
Unterbilanz der Lebensmittel-
VerSOTgUNg er iu 30 1 114 — => 1 -
Gesamtausgaben ............. 5905 7484 6230 70% x "707% 7065 10121 6890 7264
Ordentliche Einnahmen. .... 814 1520 2179 3.205 4 168 4 132 4869 6 942 7 902
Außerordentliche Einnahmen 71 9 126 — 3 19 125 190 23
Reparationen ............ do 214 455 1475 1517 194 1108 811 1 002
Betriebsüberschüsse ........ — 265 20 2 SS nt BE
Gesamteinnahmen ............ 895 1749 S 005 4700 8608 6417 6102. A493 8 927
Defizit oder Überschuß ....... — 5010 587 32057 2306 1689 1 748 —409 +553 +16653
Die vorstehende, von dem derzeitigen Finanzminister Baron Houtart in L’Europe Nowvelle Nr. 462
vom 18. Dezember 1926 veröffentlichte Übersicht ist die letzte und gleichzeitig eingehendste Aufstellung
über die finanzielle Entwicklung der letzten Jahre. Die Angaben der Depenses Recowvrables beschränken
sich nicht wie üblich auf die vom Staate selbst geleisteten Summen, sondern schließen die F. inanzierungs-
tätigkeit der Federation des Cooperatives pour Dommages de Guerre und der Association Nationale des In-
dustriels et Commercants ein. Nicht enthalten sind dagegen die Ausstellung von Schuldtiteln an Kriegs-
entschädigungsberechtigte und die Aufwendungen zur Währungsregulierung im Jahre 1919. (Einlösung
der umlaufenden deutschen Noten).
‚Die Anstrengungen und Erfolge der belgischen Finanzpolitik richteten sich nach dem Kriege in erster
Linie auf den ordentlichen Etat. Das Jahr 1919 hat noch als Ausnahmejahr zu gelten, da in ihm alle Tück-
ständigen V erpflichtungen abgedeckt wurden, und die Armee noch auf mobilem Fuße blieb. Bis 1922 er-
höhten sich die Ausgaben des ordentlichen Etats trotz bedeutender Senkung der Preise erheblich. Die
ST Kutvieang veranlaßte die Bildung einer Commission Technique pour V’Etude des
Serv s de l’Etat im Jahre 1922. Die Reorganisation der Verwaltung war um so notwendiger,
*) Nach Chlepner, a. a. 0., Umrechnung mit Index 565.
*) Vorläufiges Ergebnis.
x Regierungsvoranschlag.