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der Gesundheit der Arbeiter schädlich, so werden dieselben durch Aspiration der
hohen Fabrikschornsleine dadurch abgeleitet, dass die betreffenden Apparate ent
weder einzeln oder in eine gemeinsame Kammer eingeschlossen durch eine Köhren
leitung mit den Schornsteinen in Verbindung stehen und gegen die Fabrikräume
derart abgeschlossen sind, dass ein Entweichen von Gasen in dieselben nicht
möglich ist.
Dass der angestrebte Zweck durch diese Einrichtungen erreicht wird, be
weisen die Tabellen über die Krankenbewegung, aus welchen hervorgeht, dass
Gas- und Staub-Inhalationskrankheiten in keinem Raume sich bcmerklich machten.
Die Beleuchtung der Fabriken geschieht fast durchweg mittelst Gas, wei
ches früher auf der Fabrik selbst bereitet, in den letzten Jahren von der städti
schen Gas-Anstalt geliefert wird. Einzelne Räume, in welchen feuergefährliche
Materialien verarbeitet werden, sind durch elektrisches Licht nach Siemens &
llalske erhellt, und zwar bestehen zur Zeit 8 Maschinen, von welchen jede eine
Lichtstärke von 700 Normalkerzen hat. Oefters werden mehrere Räume durch
eine elektrische Lampe erleuchtet; sämmtliche Lampen sind luftdicht gegen die
Räume durch dicke Spiegelscheiben abgeschlossen. Die Qualität des Lichtes lässt
Jedenfalls Nichts zu wünschen übrig: einer allgemeinen Einführung für Fabrik
zwecke wird sich der Preis entgegenstellen, welcher überall da, wo nicht Dampf
kräfte zum Betriebe der Maschinen billig zur Verfügung stehen, ein verhältniss-
mässig hoher ist.
Die Wasserversorgung der Fabriken, ist eine doppelte. Zu Fabrik
zwecken besteht in der Nähe des Mains ein Wasserwerk, welches aus vier Brun
nen mittelst einer starken, Dampfmaschine Wasser auf einen ca. 30 M. hohen
Thurm hebt. Auf diesem Thurme finden sich zwei Bassins von einem Gehalte
von je 40000 I. Wasser. Von diesen Bassins werdén alle Theile der Fabriken
durch eine Köhrenleitung mit Wasser versorgt. An dieser Röhrenleitung finden
sich zahlreiche Hydranten zgr Benutzung gegen Brände. Auch befinden sich in
den meisten Fabrikräumen grosse Reservoirs, welche stets mit Wasser gefüllt sind
und mit zahlreichen Pumpen in Verbindung stehen. Zur Versorgung der Fa
briken mit Trinkwasser besteht im Norden derselben nach dem Gebirge zu, ca.
500 Schritte von den äussersten Fabrikgebäuden entfernt, ein Brunnen, welcher
mittelst einer Dampfmaschine das Trinkwasser in ein Reservoir auf der Alizarin-
habrik liefert, von wo aus es durch eine Leitung von Zinnrohren mit Bleimantel
dem einzelnen, zahlreich vertheillen Brunnen zugeleitet wird. Das Reservoir ist
niit schlechten Wärmeleitern umgeben, so dass die Temperatur des Wassers eine
möglichst gleichmässige ist; das Wasser selbst hat sich bei wiederholten Unter
suchungen als ein gutes Trinkwasser bewährt.
Die Feuergefährlichkeit einzelner Materialien und vieler chemischer Processe
bedingte entsprechende Vorkehrungen durch die Gründung einer vollständig
orgjinisirten Fabrik-Feuerwehr, welche die Bedienungsmannschaften der
Spritzen aus den Arbeitern der mechanischen Werkstätte, die Druckmannschaften
aus den Holärbeiiern und leichter entbehrlichen Raum-Arbeitern entnimmt.
Bei Ausbruch eines Brandes innerhalb der Fabrik darf eine grössere Alarmi-
rung mit den speciell hierzu dienenden Signal-Hörnern nur auf speciellen Befehl
stattfinden; für gewöhnlich gilt §. 10. der später folgenden Fabrik-Ordnung.
Alle Brände werden ihrer Zeitdauer und Ausdehnung nach in ein eigens