Full text : Die Theerfarben-Fabriken der Herren Meister, Lucius & Brüning zu Höchst a. Main, in sanitärer und socialer Beziehung

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unreinigung  frei  ist.  In  Wasser  ist  es  zu  3  pCt.  löslich  und  zeigt  diese  wässerige
Lösung  mit  Chlorhalhlösung  eine  charakteristisch  purpurrothe  Färbung.  Mit  der
nöthigen  Vorsicht  ausgeführt,  lässt  sich  durch  diese  Reaction  noch  Vtoooo  Anilin
nachweisen.  Durch  Anwendung  von  Chlorkalklösung  und  1  g  Schwefelammonium ­
  wird  diese  Empfindlichkeit  noch  bedeutend  gesteigert.  Das  Anilin  ist  eine
starke  Base.  Seine  Salze  krystallisiren  leicht  und  sind  sehr  beständig.  Mit  vielen ­
  Metallsalzen  bilden  dieselben  Doppelverbindungen.
Das  aus  dem  Toluol  resp.  Ni  tro  toluol  dargestellte  Toi  ui  din  ist  eine  Flüssigkeit ­
  wie  Anilin,  hat  aber  0,998  spec.  Gewicht  bei  15®  C.  und  ist  ein  Gemenge ­
  von  3  Isomeren.
Xylidin  ist  eine  bei  216®  siedende  Flüssigkeit,  die  die  grösste  Aehnlichkeit
mit  gewöhnlichem  Anilin  und  Toluidin  hat.  Seine  Salze  sind  gut  krystallisirbar.
  —
Auch  über  das  Anilin  liegen  zahlreiche  physiologische  Versuche  und  klinische ­
  Beobachtungen  vor.
Erstere  von  Schuchardt,  Sonnenkalb,  Ollivier  und  Bergeron,
Gmelin,  Letheby,  Gerhardt  und  Turnball,  Bergmann,  Starkow,
Eulenberg,  Hirt  u.  s.  w.  angestellt,  ergaben  im  grossen  Ganzen  nach  Hirt
folgende  Resultate.  Bald  nach  Einführung  des  Giftes  durchläuft  ein  convulsivisches
  Zittern  den  ganzen  Körper  des  Thieres;  das  Athmen  wird  rascher;  die  Bewegungen ­
  werden  heftig,  unregelmässig;  das  immer  unruhiger  werdende  Thier
beginnt  zu  taumeln,  fällt  auf  die  Seite,  kann  die  hinteren  Extremitäten  nicht
mehr  bewegen,  während  es  mit  den  vorderen  noch  Versuche  zum  Aufrichten
macht;  es  treten  fibrilläre  Zuckungen  neben  Convulsionen  ganzer  Muskelgruppen
auf.  Dieser  Zustand  kann  V.¿—2  Stunden  andauern.  Die  Pupille,  vorher  verengert, ­
  erweitert  sich,  die  Cornea  wird  anästhetisch,  Athem  und  Herzschlag  werden ­
  langsamer  und  der  Tod  tritt  mit  —  bisweilen  auch  ohne  Convulsionen  ein.
Bei  Einwirkung  geringerer  Mengen  beobachtet  man  veränderte  Fresslust,
Würgen,  Erbrechen  und  vermehrte  Speichelabsonderung.
Aus  allen  Versuchen  scheint  hervorzugehen,  dass  das  Anilin  in  erster  Reihe
auf  das  Centralorgan  der  Alhmung  wirkt,  und  zwar,  anfangs  erregend,  später
lähmend  ;  in  zweiter  Reihe  scheint  gleichzeitig  eine  Einwirkung  auf  die  peripheren
Vagusendigungen  in  der  Lunge  vorhanden  zu  sein.
Die  Einwirkung  auf  die  Circulation  besteht  in  einer  sehr  kuiz  andauernden
Verlangsamung  und  hierauf  folgenden  starken  Beschleunigung  der  Herzthäligkeit,
mithin  in  einer  primären  Erregung  des  regulatorischen  Centrums  für  die  Herzbowegungen
  mit  secundärer  Lähmung  des  Herzmuskels.
Trächtige  Thiere,  welchen  verhältnissmässig  grosse  Mengen  subcutan  beigebracht ­
  wurden,  abortirten  sehr  rasch.  Im  Fruchtwasser  Hessen  sich  Spuren
von  Anilin  nachweisen,  während  solche  im  Foetus  nicht  aufzufinden  waren.
In  pathologisch-anatomischer  Beziehung  ergeben  die  Sectionon
nach  Thierversuchen,  dass  die  Todesstarre  rasch  auftritt  und  rasch  wieder  verschwindet. ­
  Das  Blut  ist  dunkel  und  dünnflüssig;  die  Gelasse  der  harten  Hirnhaut
sind  meist  stark  injicirt;  die  Hirnsubstanz  ist  normal;  die  Lungen  sind  blassroth,
blutleer;  das  Herz  ist  mit  dunklem  Blute  reichlich  gefüllt;  die  Leber  blutreich;
Magen  und  Därme  durch  Gase  aufgetrieben;  die  Blase  mehr  oder  weniger  mit  Urin
gefüllt,  in  welchem  sich  Anilin  nachweisen  lässt.  Ebenso  ergaben  Lunge  und
            
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