Full text : Die Theerfarben-Fabriken der Herren Meister, Lucius & Brüning zu Höchst a. Main, in sanitärer und socialer Beziehung

3)  Der  Fuchnln-Rauin.
Zur  Fuchsindarstellung  erhitzt  man  in  gusseisernen  Kesseln  mit
Rührwerk  ein  Gemenge  von  Anilin,  salzsaurem  Anilin,  Nitrobenzol
und  Eisenchlorür,  bis  der  dickflüssige  Zustand  der  dunkelbroncegrünen
Schmelze  die  Vollendung  der  Reaction  anzeigt.  Das  während  des
Processes  übergehende  Destillat,  ein  Gemenge  von  Anilin  und  Nitrobenzol, ­
  wird  vollständig  reducirt  und  als  eine  geringere  Sorte  Anilinöl
oder  in  der  Form  von  salzsaurem  Anilin  an  Kattundruckereien  verkauft.
Das  erhaltene  Rohfuchsin  wird  durch  Umkrystallisiren  gereinigt  und  kommt
dann  in  grünen,  metallisch  glänzenden  Krystallen  vom  Aeussern  der  Cantharidenflügel
  unter  verschiedenen  Namen  —  Diamantfuchsin,  Rosein,  Magenta  u.  a.
in  den  Handel.  Es  ist  das  salzsaure  Salz  der  Rosanilinbase,  welche  letztere  bei
Versetzung  einer  heissen  Fuchsinlösung  mittelst  Kalkmilch  aus  der  heiss  filtrirten
Lösung  in  schwach  röthlichen  Krystallen  sich  ausscheidet.
'  Das  Fuchsin  und  die  Base  desselben,  das  Rosanilin,  sind  wenig  löslich
in  Wasser,  leichter  in  Alkohol,  nicht  in  Aether.  Mit  einem  Theil  Fuchsin  können
etwa  300—400  Theile  Wolle  in  mittlerer  Stärke  gefärbt  werden.
Die  von  den  Fuchsinkrystallen  ablaufenden  Mutterlaugen  werden  auf  gelbe
und  braune  Farbstoffe  verarbeitet,  die  im  Handel  den  Namen  Grenadin,  Coris,
Marron,  Phosphin  führen.
Rowmlllm.
Das  sanitär  Wichtigste  dieses  chemischen  Processes  ist  die  Thatsache,
  dass  das  Fuchsin  nicht  das  Salz  von  Anilin,  sondern  von  Rosanilin ­
  ist,  und  da  die  Gefährlichkeit  der  Base  mehr  oder  minder  zu
einem  Schlüsse  auf  die  Gefährlichkeit  deren  Salze  berechtigt,  so
kommt  hier  dié  Giftigkeit  oder  Nichtgiftigkeit  des  Rosanilins  in  erster
Linie  in  Betracht.
Sonnenkalb  äussert  sich  über  dasselbe  dahin,  dass  es  für
«indifferent“  gehalten  werde.  Eulenberg  sagt,  dass  es  nicht  giftig
wirke  und  dass  dies  durch  zahlreiche  eigene  und  fremde  Erfahrungen
bestätigt  sei.
Sowohl  die  Erfahrungen  auf  den  uns  beschäftigenden  Fabriken
als  auch  meine  Versuche  an  Thieren  bestätigen  diese  Ansichten  vollkommen. ­

Erkrankungen  in  den  entsprechenden  1  abrik-Räumen,  welche  in
Zusammenhang  mit  Rosanilin  zu  bringen  wären,  kamen  nicht  vor.
Wochenlang  fortgesetzte  Fütterungen  von  Lapin  s  mit  Rosanilin,
derart,  dass  in  5  g  haltende  spirituöse  Lösungen  500  g  Gerste
getränkt  und  binnen  8  Tagen  verfüttert  wurden,  ergaben  ebensowenig,
wie  durch  mehrere  Tage  fortgesetzte  subcutane  Injectionen  einer
            
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