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Viertes Buch. Die Abtrünnigen.
3. Es bleibt nun noch die dritte und in den Augen Rodbertüs’ die
bedeutsamste wirtschaftliche Funktion übrig, die die Gesellschaft zu er
füllen hat: die gerechte Verteilung des sozialen Produktes. Die Unter
suchung dieser Frage ist der Hauptgegenstand seiner Bemühungen. Ihre
Lösung ist die Grundaufgabe der Wissenschaft. Gleich Sismondi und den
Sozialisten, von denen er ausgeht, betrachtet er die Erklärung des Pauperis
mus und der Krisen als die dringlichste Aufgabe der Nationalökonomie-
Was ist nun eine gerechte Verteilung? Rodbertüs antwortet: die,
die jedem Arbeiter das Erzeugnis seiner Arbeit gibt 1 ). Wird nun dieser
Erfolg in der bestehenden Ordnung der freien Konkurrenz und des Privat
eigentums erzielt?
Um dies zu erfahren, müssen wir den Mechanismus der Verteilung,
so wie er heute besteht, untersuchen. Die Beschreibung, die Rodbertüs
davon gibt, unterscheidet sich nicht von der, die J.-B. Say davon geben
j würde. Sie stimmt in allen Punkten mit dem klassischen Schema überein.
Auf der einen Seite kauft der Unternehmer die Dienste der Arbeit, des
Kapitals und des Bodens; auf der anderen verkauft er die Erzeugnisse, die
aus ihrem Zusammenwirken entstehen. Der Preis, den er für diese Dienste
zahlt, und der, den er selbst vom Verbraucher erhält, ergibt sich auf jedem
dieser Märkte aus dem Stand des Angebotes und der Nachfrage. Der Ge
winn ist das, was nach Bezahlung der Löhne, der Zinsen und der Boden
rente von dem Verkaufspreise übrig bleibt 2 ).
So vollzieht sich die Verteilung des Profites durch den Mechanismus
des Tausches, und dessen Wirkung besteht darin, dem Besitzer eines jeden
produktiven Dienstes den Marktwert dieses Dienstes zu verschaffen. An
scheinend gibt es nichts Gerechteres. . . aber eben nur anscheinend, denn
wenn wir die soziale und moralische Wirklichkeit, die sich unter diesem
automatischen Mechanismus verbirgt, untersuchen, so bemerken wir so
gleich, daß er auf eine Beraubung des Arbeiters durch die Besitzer d eS
Bodens und des Kapitals hinausläuft. Woher kommen nämlich alle die
Produkte, die der Tausch unter so viele verschiedene Nutznießer verteilt •
Einzig und allein vom Arbeiter. Sie haben nichts als Arbeit, ja sogar»
nichts als Handarbeit gekostet. Nicht als ob Rodbertüs die intellektuelle
oder die wirtschaftliche Arbeit der Leitung verachtete. Weit davon en -
fernt. Aber auf Grund einer recht seltsamen Auffassung erscheint ihn 1
die Intelligenz als eine unerschöpfliche Kraft, deren Verbrauch infolge
dessen keine Kosten verursacht, ebenso wie der Verbrauch der natürliche
Kräfte der Natur nichts kostet. Nur die Handarbeit bedingt einen ver
brauch an Kraft und Zeit, also das Opfer, die Aufgabe einer bestimm eI
*) Übrigens fügt Rodbertüs hinzu, daß ein Teil des Gesamterzeugnisses
jeden ihm genommen werden soll, um den öffentlichen Bedürfnissen zu dienen (Kap i
J ) Kapital.