Full text : Die Theerfarben-Fabriken der Herren Meister, Lucius & Brüning zu Höchst a. Main, in sanitärer und socialer Beziehung

Hierzu  kommt  noch  der  lägliche  Kaffee,  welcher  mit  1,90  angegeben  ist,
jedoch  in  Wirklichkeit  durch  die  Preisdifferenz  zwischen  rohem  und  gebranntem
Kaffee  (circa  20  pCt.)  sich  auf  M.  2.28  stellt.
Rechnet  man  ferner  auf  jede  Suppe  noch  für  circa  25  Pf.  Gewürze,  so  berechnet ­
  sich  die  aus  der  Menage  gelieferte  Tages-Kost  für  100  Arbeiter:
auf  der  Alizarinfabrik  zu  .  .  M.  27,43.
auf  der  Anilinfabrik  zu  .  .  .  M.  26.23.
Da  nun  100  Arbeiter  pro  Tag  20  Pf.  und  die  Fabrik  für  jeden  Arbeiter
^’eitere  10  Pf.  zahlt,  so  beträgt  die  Einnahme  pro  100  Arbeiter  täglich  M.  30,—.
Diese  Summe  überschreitet  nicht  unwesentlich  die  Ausgaben,  so  dass  diese
Differenz  zur  Zeit  wohl  ausreichen  würde,  die  Ausgaben  für  Küche,  Heizung  und
Personal  zu  bestreiten,  und  ist  hierdurch  der  Beweis  geliefert,  dass  die  Menagen
finanziell  auf  einer  richtigen  Grundlage  beruhen.  Wir  wollen  jedoch  nicht  unterlassen ­
  zu  bemerken,  dass  zur  Zeit  die  Preise  für  Fleisch,  Kartoffeln  und  Hülsenfrüchte ­
  niedrig  sind.
An  fügen  will  ich  hier,  dass  die  Hamburger  Volksküche,  die  einzige  der  mir
bekannten  Volksküchen,  welche  sich  mit  unseren  Menagen  vergleichen  lässt,  ebenfalls ­
  ihr  Miltagsessen  mit  30  Pf.  berechnet  und  hierfür  dieselbe  Nahrung  liefert,
welche  etwas,  jedoch  nicht  viel  hinter  den  unsrigen  an  Nahrungsstoffen  zurückstellt ­
  (Eiweiss  50,  Fett  20,  Kohlenhydr.  135).
Wir  kommen  nunmehr  zu  der  Frage  des  Nährwerthes  der  gelieferten  Nahrungen. ­

Um  Namensverwechslungen  zu  vermeiden,  schicke  ich  voraus,  dass  ich  nach
dem  Vorgänge  Voit’s  Stoffe,  welche  den  Verlust  eines  zur  Zusammensetzung
des  Körpers  nothwendigen  Stoffes  verhüten  oder  die  Anbildung,  das  Wachsthum,
ermöglichen  (Fette,  Stärkemehl  etc.)  Nahrungsstoffe  nenne;  unter  Nahrungsmittel
  verstehe  ich  ein  Gemenge  von  mehreren  Nahrungsstoffen  und  unter  Nahrung ­
  die  Summe  von  Nahrungsmitteln  und  Nahrungsstoffen  mit  den  nothwendigen ­
  Genussmitteln,  welche  den  Körper  in  seiner  Zusammensetzung  erhält  oder
denselben  auf  eine  gewünschte  Zusammensetzung  bringt.
Bekanntlich  liegt  die  Lehre  der  Ernährung  des  menschlichen  Körpers  noch
sehr  im  Argen,  und  geradezu  beschämend  ist  es,  eingestehen  zu  müssen,  dass
wir  über  eine  rationelle  Ernährung  unserer  Hausthiere  wissenschaftlich  und  praktisch ­
  mehr  wissen,  als  über  unsre  eigne.
Und  doch  ist  die  Frage  einer  rationellen  Ernährung  wenn  für  alle  Menschen,
so  speciell  für  den  Arbeiter  eine  so  wichtige,  dass  dieselbe  in  Arbeiten,  wie  die
Vorliegende,  nicht  übergangen  werden  darf.  Auch  ist  dieselbe  nunmehr,  nachdem
die  bahnbrechenden  Arbeiten  von  Pettenkofer  und  Voit  viele  Fundamental-^ätze
  zum  Abschluss  gebracht  haben,  nicht  mehr  so  arg  schwer  zu  lösen.
Diese  beiden  Forscher  weisen  bekanntlich  die  Liebig-Moleschott'sche
scharfe  Trennung  der  Nahrungsmittel  in  plastische  und  respiratorische  zurück  und
haben  durch  fortgesetzte  Untersuchungen  einerseits  der  Bestandtheile  der  täglichen
ahrungseinnahnien  und  anderseits  der  von  dem  Körper  durch  Lungen,  Haut,
leren  und  Darm  abgegebenen  Zersetzungsproducte  eine  Reihe  von  Lehrsätzen
^ber  die  Ernährung  des  menschlichen  Körpers  aufgestellt,  welche  sowohl  durch
ontrol-Versuche  an  Thieren,  als  auch  durch  Beobachtungen  an  Menschen  und
urch  eine  grosse  Reihe  von  Erfahrungen  sich  als  richtig  erwiesen  haben.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.