Full text: Schutz dem Arbeiter!

145 
^uch von solchen Zeugnissen für den Sonntag zusammenzustellen; allein 
şchon die gelegentlichen Zeugnisse der Aerzte würden dafür ausreichen. 
Die zahlreichen Aufsätze und Mo no grap hie e n über Sonntagsruhe 
würden eine ganze Bibliothek ausmachen. Gläubige und ungläubige 
Äutoren wetteifern im Lobe des Sonntags. 
Als die Genfer Société pour la sanctification du Dimanche 1876 
kuren Preis für die beste Schrift über die Sonntagsruhe vom hygienischen 
Standpunkte aussetzte, liefen nicht weniger als 53 Concurrenzschriften 
Ilkrschiedener Länder und Sprachen ein. 
Die Sonntagsruhe ist in der That „schon ans hygienischen 
gründen ein für Jedermann absolut Erforderliches" (Hirt, „Arbeiter- 
îchutz", 1879, S. 80), eine „Einrichtung, die auf dem erfahrungsmäßig 
erkannten und erfahrungsmäßig bestätigten Bedürfniß der menschlichen 
Natur" beruht, „nach sechs Tagen gleichmäßiger Berufsthätigkeit einen 
Dag zu haben, der Gesundheit und, wenn der Ausdruck gestattet wird 
dem Genius gewidmet" (Dr. Schauenburg). 
Dr. Niemeyer, Sauitätsrath in Berlin, welcher den ersten Preis 
bei der erwähnten Concurrenz der Genfer Gesellschaft erhielt, vergleicht 
beit menschlichen Körper mit einer „Fabrik", d. h. „einem Inbegriff von 
Mehrern organisch zusammenarbeitenden Apparaten oder Maschinen, welche 
ln den Gehäusen der Körperhöhlen eingeschlossen und deren ordnungs 
mäßiges, regelrechtes Functioniren als Gesammtergebniß des leiblichen 
Und geistige Wohlbefinden schafft." 
„Von allen gesundheitswidrigen L e b e n s ge w o h nh e ite n nun/ so stthrt 
Ör. Ni e met) er aus, „verschuldet es an erster Stelle die unüberlegte Abnutzung 
^ cr Kräfte, die Ueberarbeitung, daß unsere Körpermaschine durchschnittlich (bloß) 85 (statt 80) 
^lihre lang Stand hält. Als gröbere Zufalle, durch welche sich die durch Ueberarbeitung bewirkte 
Gesundheitsstörung bekundet, bitte ich folgende zu merken: Herzklopfen, Herzfehler, Beklem- 
lllung, Nasen- oder Lungenblutung, Krampfadern, Seitenstechen, Lungenschwindsucht — Zu 
ckle, welche aber meistens schon den »Anfang des Endes« bezeichnen, indem sie sich aus 
Alvein Stadium entwickeln, das sich weniger durch fühlbare örtliche Beschwerden als durch 
elendes, farbloses, welkes, trockenes Aussehen bekundet. Der Ueberarbcitete selbst kämpft 
^bei mit dem Gefühle allgemeinen Mißbehagens, des »Kaputseins« oder »Nichtmehr 
könnens«, ein Zustand, auf den die sachliche Diagnose Ab g e s pan nth ei t oder Abge- 
fchlagenheit (französisch: courbature) Airwendung findet und der dem umsichtigen 
^rzte als dringendes Zeichen für die Verordnung gilt, den also Klagenden von 
ì>er Arbeit zurückzuhalten, ihm im Gewerksverkehr einen »Krankenschein« 
Auszustellen. Frühere Aerzte haben bei Erläuterung dieser Zustände ganz treffend den 
Schwerpunkt in die Eigenschaft der Elasticität gelegt, deren Besitz sie als Vorzug des 
Mischen Körperzustandes priesen, welche aber durch Ueberarbeitung verloren gehe. 
„Eben diese Elasticität ist es auch," so fährt Dr. Niemeyer fort, „die bei Ueber- 
M'beitung die schwache Seite, bei Schonung der Kräfte aber die Stärke des lebenden thie- 
^ìfchen Körpers ausmacht, wie dies folgende zwei Beispiele praktisch darthnn. 
„Als vor Jahren, noch vor der Zeit der Eisenbahnen, große Frachtfuhrwerke Hun 
gerte von Meilen Waaren aus dem Osten nach dem Westen transportirten, wo sie dann
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.