Full text : Die Theerfarben-Fabriken der Herren Meister, Lucius & Brüning zu Höchst a. Main, in sanitärer und socialer Beziehung

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seme,  die  zu  unserer  Beobaelitung  kamen,  sondern  es  waren:  15  Fälle
von  acutem  Bronchial-Cat.,  3  Fälle  von  Lungenentzündungen,  2  Rippenfellentzündungen ­
  und  je  1  Fall  von  Tuberculose  und  Laryngeal-Catarrh.
Eine  schädigende  Einwirkung  der  Anilin-Dämpfe  auf  die  Athmungswerkzeuge
  fand  demnach  in  unseren  Fällen  nicht  statt,  dagegen
konnten  wir  neben  der  Bestätigung  der  oben  pg.  20  u  f.  beschriebenen
centralen  Erscheinungen  in  3  Fällen  eine  bisher  in  der  Literatur  nicht
verzeichnete  Einwirkung  des  Anilins  auf  die  Harnwerkzeuge  beobachten.
In  diesen  Fällen  trat  nämlich  kürzere  oder  längere  /eit  nach  Eintritt  der
anderen  Symptome  von  Anilismus  eine  heftige  Strangurie  auf,  welche  in  einem
Falle  noch  fortbestand,  nachdem  alle  anderen  Krankheitserscheinungen  verschwunden ­
  waren.
Die  ersten  derartigen  Beobachtungen  wurden  im  Jahre  1877  gemacht.
Zwei  Arbeiter  reinigten  im  Juli  d.  J.  einen  eisernen  Cylinder,  wie  dieselben  zur
Destillation  von  Anilin  benutzt  werden.  Beide  bekamen  durch  Verdunsten  von  in
dem  Cylinder  rückständigem  Anilin  Anilismus  und  beide  litten,  obgleich  früher
nie  blasenleidend,  durch  mehrere  Tage  an  vermehrtem  Drange  zum  flamen  an
Schmerzen  beim  Harnen  und  an  Blutabgang  mit  dem  Urin.  Die  Dauer  der  Erkrankung ­
  betrug  bei  dem  Einen  9.  bei  dem  Anderen  Iti  Tage  so  dass  beide
schon  zu  den  schwereren  gerechnet  werden  müssen,
Der  dritte  Fall  betraf  den  Arbeiter  K..  welcher  am  20.  December  1878
durch  Verschütten  eines  Kübels  sich  den  Rücken,  die  Arme  und  die  Kleider  mit
Anilin  übergossen  hatte.  Neben  den  gewöhnlichen  Symj)tomen  trat  am  22.  December ­
  unter  Schmerzen  in  der  Blasengegend  eine  quälende  Strangurie  mit  blutrothem
  Urin  auf,  welche  bis  zum  28.  December  anhielt.  Alle  anderen  Symptome
waren  bereits  am  25.  vollständig  verschwunden.  Auch  dieser  Fall  muss  sowohl
nach  seiner  Dauer,  als  auch  nach  seiner  Entstehung  in  specie  dem  Quantum  des
verschütteten  Anilins  zu  den  schwereren  gerechnet  werden.
In  diesen  3  Fällen  haben  wir  es  mit  einer  Cystitis  acuta  zu  thun,  welche
ihre  Entstehung  dem  Anilin  verdankt.  Dieses  muss  hier  ähnlich  wie  Cantharidin
wirken.  Die  Erklärungsweise  der  Art  der  Wirkung  ist  jedoch  bei  diesem  Stolle
leichter,  weil  derselbe  auch  nach  der  äusseren  Einwirkung  in  Form  von  Blasenpflaster, ­
  als  solcher  resorbirt  und  durch  die  Nieren  ausgeschieden  wird,  also  wohl
durch  seine  directe  Berührung  die  Blasensclileimhaut  reizt  und  entzündet.  D:is
Anilin  wird  jedoch,  wie  pag.  19  bereits  erwähnt,  nicht  durch  den  Urin  ausgeschieden, ­
  und  es  bleibt  somit  unerklärt,  in  welcher  Form  der  Zersetzung  diis
Anilin  seine  reizende  Wirkung  auf  die  Schleimhaut  der  Blase  ausübt.  Vor  der
Hand  ist  nur  zu  constatiren,  dass  in  allen  3  Fällen  die  Einwirkung  des  Anilins
eine  stärkere  und  von  den  weitaus  meisten  der  anderen  Fälle  des  Anilismus,  verschieden ­
  war.  Während  nämlich  von  den  12  beobachteten  Fällen  von  Anilismus
8  ihre  Entstehung  der  Einathmung  von  Luft  in  den  Arbeitsräumen,  welche  mit
Anilindämpfen  und  in  2  Fällen  mit  Spuren  von  Nitrobenzoldämpfeii  leicht  geschwängert ­
  war,  verdankten,  entstanden  die  4  übrigen  durch  Einwirkung  von
concentrirteren  Dämpfen,  und  bei  3  von  diesen  4  Fällen  traten  die  beschriebenen
Symptome  von  Strangurie  auf.  Auch  ist  bei  diesen  4  Fällen  die  Möglichkeit
            
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