125
schen noch ein gut Theil rein deutschen Blutes; der Boerendia-
lekt soll einem Deutschen, insbesondere einem Niederdeutschen,,
weit leichter verständlich sein als die holländische Schriftsprache.
Daß die Boeren für die ihnen so nahe verwandten Deutschen
lebhaftere Zuneigung empfinden, als für die Engländer, welche
sie stets in der ungerechtesten Weise bedrückt und verdrängt
haben, ist leicht erklärlich. Es ist wohl anzunehmen, daß eine
theilweise Ablenkung der deutschen Auswanderung von den
Vereinigten Staaten nach Südafrika das niederdeutsche Element
daselbst mächtig stärken und vor der drohenden Anglisirung be
wahren würde; dann könnte vielleicht der Traum Ernst von
Webers zur Wahrheit werden, und in Südafrika ein mäch
tiges und eigenartiges Staatswesen erblühen von deutsch-hol
ländischem, also rein germanischem Gepräge. Es ist hoch er
freulich, daß man endlich auch im Reiche den sich stetig mehren
den Beziehungen Deutschlands zu Südafrika größere Sorgfalt
zuwendet, insbesondere im Hinblick auf den Aufschwung, in
welchem dieses Land nach Entdeckung der Diamanten- und Gold
felder, der reichhaltigen Kohlenlager und anderer Mineralschätze
entschieden begriffen ist; schon hat sich in Berlin ein eigener
„Verein zur Fürder un g deutscher Interessen
in Südafrika" gebildet, an dessen Spitze Männer stehen
wie E r n st von Weber, Missionssuperintendent a. D.
M e r e n s k y , Dr. O. Kerst en und andere genaue Kenner
des Landes und seiner Hülfsquellen.
Ein beredtes Zeugniß von der Anhänglichkeit der südafri
kanischen Deutschen an ihr altes Vaterland und von den Sym
pathien, welches dieses in jenem fernen Lande genießt, liefert
die überaus festliche Begehung von Kaiser Wilhelms neunzig,
stem Geburtstag in ganz Südafrika. In K a p st a d t hatten