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Ueber die deutsche Auswanderung.
Darüber herrscht wohl nur eine Stimme, daß von allen
gegenwärtig die gesummte deutsche Nation bewegenden Fragen
die Auswanderungsfrage eine der wichtigsten ist. Insbesondere
für das umfassendste deutsche Staatswesen, das Deutsche Reich,
wäre eine praktische Beantwortung dieser brennenden Frage von
der einschneidendsten Bedeutung. Die Auswanderungsfrage ist
im Wesentlichen folgende: Wie und wohin ist die Auswande
rung zu lenken, um der Nation möglichst zum Nutzen oder doch
möglichst wenig zum Schaden zu gereichen? Diese Frage schließt
wiederum die andere in sich: Wie müssen die Auswanderer und
wie die der Auswanderung als Ziel dienenden Länder beschaf
fen sein, damit ein solcher Nutzen erzielt werden kann?
Was den ersten Theil der zuletzt aufgeworfenen Frage be
trifft, so ist derselbe dahin zu beantworten, daß sowohl poli
tische wie rein menschliche Erwägungen es wünschenSwerth er
scheinen lassen, daß die Mehrzahl der Auswanderer aus den
ärmsten Klassen der Bevölkerung, insbesondere aus der Masse
der in den großen Fabrikorten lebenden Besitzlosen, hervorgeht.
Der Arme, der Besitzlose, gelangt durch die Auswanderung nicht
allein in die Lage, sein eigenes Loos verbessern zu können, er
verbessert auch dasjenige seiner in der Heimath verbliebenen
Leidensgenossen, nicht allein dadurch, daß er in seiner Person
einen Mitbewerber um die Arbeit entfernt, sondern auch inso
fern, als er, in der Fremde zu Wohlstand gelangt, bald ein
kaufkräftiger Abnehmer der heimischen Jndustrieerzcngnisse wer
den kann, was er vordem nicht war. Leider ergießt sich gegen-