Full text : Schutz dem Arbeiter!

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In  Tetschen,  Trautenau  und  andern  Orten  Böhmens  fand  Braf
neben  einander  gleich  große  Fabriken  mit  verschiedener  Arbeitszeit,  und
er  berichtet,  daß  ihm  in  den  Fabriken  mit  kürzerer  Arbeitszeit  regelmäßig ­
  erklärt  wurde,  man  leiste  dasselbe  wie  die  andern  bei  längerer.
Die  Berichte  der  deutschen  Fabrik-Inspector  en  berichten  vielfach
über  gleiche  Erfahrungen.  Wir  haben  oben  schon  die  Anschauungen
einiger  Fabrik-Jnspectvren,  wie  sie  in  den  Berichten  pro  1885  niedergelegt
sind,  angeführt.  l)r.  Wolf  (Düsseldorf)  hebt  z.  B.  hervor,  daß  die  Arbeitsleistung ­
  in  den  Einzelwerken  vieler  Industriezweige  höchst  ungleich, ­
  in  einem  groß,  in  andern  gleichartigen  Werken  viel  geringer
sei,  und  stellt  fest,  „daß  die  Werke  mit  geringerer  Arbeitsleistung
in  der  Regel  lange  Arbeitszeit  haben,  und  daß  alle  Versuche,
die  erstere  unter  Beibehaltung  der  letztern  zu  Zeiten  günstiger  Marktverhältnisse ­
  mittels  des  Anreizes  erhöhter  Löhne  zu  steigern,  nur  einen
kurzlebigen  Erfolg  haben  oder  scheitern.  Gleiche  Ergebnisse  zeige"
sich,  wenn  in  Betrieben  mit  kurzer  angestrengter  Arbeit  zur  Ausnutzung
guter  Absatz-Verhältnisse  die  Arbeitszeit  verlängert  wird;  die
Arbeitsleistungen  entsprechen  dann  nur  wenige  Tage  hindurch  der
eingetretenen  Vermehrung  der  Arbeitszeit  und  sinken  rasch  in  dee
Richtung  der  höhern  Tagesleistung.  Anderseits  wurde  von  den  Anteenehmern
  vielfach  festgestellt,  daß  die  Leistungsfähigkeit  unserer  industrielle"
Arbeiter  jener  der  englischen  in  keiner  Weise  nachstehe."  (Amtl.  Mit'
theilungen  pro  1885,  S.  73  f.)
Dieselben  Erfahrungen  haben  uns  Fabricanten  vielfach  bestätigtdaß
  z.  B.  im  Frühjahr  und  Herbst,  wo  die  Tage  länger  resp.  kürzer
werden,  und  um  Licht  zu  sparen,  die  Arbeitszeit  (z.  B.  in  Textil'
Fabriken)  gekürzt  wurde,  die  Arbeiter  dasselbe  leisteten  resp.  verdienten ­
  (bei  Accord)  wie  vorher;  ebenso  wie  es  allgemein  bekannt  ist,
daß  vor  Fastnacht  und  Kirmes  die  höchsten  Verdienste  (bei  Accordlöhnung)
  herauskommen.  Daß  überhaupt  nicht  allein  die  Maschine,  sonder"
vor  alleni  die  Arbeitstüchtigkeit  und  Arbeitslust  des  Arbeiter^
die  Leistung  bestimmen,  beweisen  auch  die  hohen  Unterschiede  der
Verdienste  der  verschiedenen  Arbeiter,  wenn  sie  auch  an  denselbe"
Maschinen  und  zu  denselben  Accordsätzen  beschäftigt  werden.
Die  Berichte  der  Fabrik-Jnspectoren  früherer  Jahre  bringen  Belegt
in  gleicher  Richtung.  Der  Fabrik-Jnspector  für  Köln-Koblenz-Trier  führt
z.  B.  (pro  1875)  an:
„Die  gesetzliche  Bestimmung,  nach  welcher  jugendliche  Arbeiter  von  14—16  Jahw
nur  10  Stunden  täglich  in  Fabriken  beschäftigt  werden  dürfen,  hat  in  einigeil  Etablissement-'
welche  diese  Kategorie  von  Arbeitern  ilicht  wohl  entbehren  können,  zur  Folge  gehabt,  ^
die  Arbeitszeit  überhaupt  für  alle  Arbeiter  auf  12  Stunden  incl.  zwei  Stund^
Pause  herabgesetzt  worden  ist,  und  es  hat  sich  gezeigt,  daß  dadurch  die  Leistung-
            
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