Full text : Schutz dem Arbeiter!

socialdemokratische  Antrag  Fritschc  ging  dahin:  „die  regelmäßige  Lohnarbeit  an  Sonnund
  Festlagen  ist  verboten;  ausgenommen  hiervon  ist  die  Lohnarbeit  bei  Verkehrsanstalten,
Gastwirthschasten  aller  Art,  öffentlichen  Erholungs-  und  Vergnügungs-Anstalten  und  bei
dem  Handel  mit  Lebensmitteln."  Der  Bundes-Commissar  Dr.  Michaelis  führte  acw,
es  müßte  eine  eingehende  Kenntniß  der  Fabrications  weife  tu  den  ve»
fchiedenen  Zweigen  der  Industrie  vorausgehen,  ehe  man  die  Sonntagsfrage  mit  gefctj'
lichen  Vorboten  behandele.
Im  Jahre  1878  wurde  der  Antrag  der  Commission:  daß  es  den  Gewerbetreibende»
untersagt  fein  solle,  in  F  a  b  r  i  k  e  n  und  bei  Bauten  Arbeiter  an  Sonn-  und  Festtage»
zu  beschäftigen,  in  zweiter  Lesung  vom  Plenum  des  Reichstags  angenommen-Leider
  -  Dank  der  Rührigkeit  der  Liberalen  und  der  Lässigkeit  der  Freunde  des  Antrage
(Centrum  und  Conservative»)  —  fiel  der  Antrag  in  dritter  Lesung  mit  132  gegen  1'
Stimmen.  .  rt
Im  Jahre  1882  nahmen  sämmtliche  Redner  der  Conservativen  und  Socialdemokrat
zu  der  Interpellation  von  Hertling  und  Genossen  eine  durchaus  zustimmende ­
  Stellung  ein,  und  die  Redner  des  Centrums  und  der  Conservativen  stellte»
ausdrücklich  die  Sonntagsruhe  in  den  Vordergrund  der  Forderungen.  .  j
Im  Jahre  1888  beschäftigte  sich  die  Petitions-Commission  des  preußischen  Abgeorv
netenhauses  eingehend  mit  der  Petition  des  „Volkswirthschastlichen  Vereins  für  Rheinland  ,
und  erklärte  der  Vertreter  des  Ministeriums  des  Innern,  Geheimer  Ober-Regierungsr»>
von  Kehler:  daß  der  evangelische  Oberkirchenrath  eine  Reihe  von  Klage
und  Wünschen  in  ganz  derselben  Richtung  ausgesprochen  hätte,  daß  der  Minister  W
Innern  „hieraus  Anlaß  genommen  habe,  mittels  Circularverfügung  an  sämmtliche  Rş
rungsbehörden  der  Monarchie  vom  25.  Januar  1883  die  bezüglichen  Wünsche  und  Antrag
zum  Gegenstand  einer  näheren  Erörterung  zu  machen".  Von  den  geforderten  Berichten  W
Regierungsbehörden  sei  erst  ein  kleiner  Theil  eingegangen;  die  Regierung  müsse  sich  daye
eine  weitere  Beschlußnahme  über  etwa  zu  treffende  Anordnungen  vorbehalten.  -  Diesel»
Petition  kam  im  Jahre  1884  in  der  Commission  und  im  Plenum  zur  Verhandlung>
der  Herr  Regierungs-Commissar  von  den  Brinken  erklärte  weiter,  daß  die  „nähe^
Ausbildung"  der  bestehenden  Verordnungen  zum  Gegenstand  specieller  Erörterungen  »e
königlichen  Staatsregierung  gemacht  sei,  welche  zur  Zeit  noch  nicht  ihren  Abschluß  ş
funden  haben".  Die  Petition  wurde  gemäß  Antrag  des  Referenten  (Abg.  Hitze)  in  Co>»'
mission  wie  P  len  um  der  Regierung  „zur  Berücksichtigung  "  überwiesen.
Im  Jahre  1885  kam  dann  die  Frage  iin  deutschen  Reichstage  von  neuem  zu  ctlt '
gehender  Erörterung,  deren  Verlauf  und  Ergebniß  wir  bereits  (s.  oben  „Arbeitcrsch"»'
Anträge  im  deutschen  Reichstage",  S.  1  —16)  geschildert  haben.
„Regel"  und  „Ausnahmen".
Der  „Tag  des  Herrn"  —  des  „Arbeiters  Ruhetag"  ist  bereits  auf
Sinai  eingesetzt,  und  als  ein  wesentlicher  Bestandtheil  des  Offenbarung^
Glaubens  heilig  gehalten  worden.  Der  christliche  Sonntag  hat  mit  ^
Kirche  selbst  die  Anstürme  des  Unglaubens  und  der  Revolutionen  owe
Jahrhunderte  bestanden  und  überdauert.  Männer  aller  Berufe  und  Partes
richtungen,  Gläubige  wie  Ungläubige,  sind  einig  in  seinem  Lobe,  ^
so  wird  auch  heute  die  Berechtigung  der  Sonntagsruhe  kaum  mehr  ^
gezweifelt.  Auch  das  Recht  und  die  Zweckmäßigkeit  gesetz  ge  be  risch e
Regelung  kann  kaum  principiell  mehr  Zweifel  gezogen  werden,  nachde"
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.