Object: Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

L. Gesundheit der arbeitenden Bevölkerung. 735 
krank, eine zweite verschläft die Folgen einer nächtlichen Ausschweifung, 
sine dritte verschläft ihre Zeit, weil sie keine Beschäftigung hat, eine vierte 
hat bei Tage Ruhezeit, weil sie nur bei Nacht ihren Unterhalt verdient. 
[n Folge dieser Besetztheit des Zimmers bei Tage werden die Fenster hbe- 
ständig geschlossen gehalten, Ventilation wird fötal vernachlässigt und die 
verpestete Luft ist immer bereit, ihren giftigen Einfluss auf jeden neuen 
Ankömmling geltend zu machen, den Gewohnheit noch nicht gefühllos 
gegen ihre Wirkungen gemacht. Es scheint, dass sich Viele allmälig an 
diesen Zustand gewöhnen, woher wohl die Verschonung von Fieber her- 
rühren mag, deren sich die Besitzer solcher Häuser erfreuen, während die 
Miether alle nacheinander Fieberanfälle bekommen. Wo Keller zu Logir- 
häusern dienen, wird das hintere Zimmer gewöhnlich als Schlafzimmer ge- 
braucht und da dieses oft kein,Fenster hat und Licht und Luft nur durch 
die in das vordere Zimmer mündende Thür erhalten kann, so macht die 
vollständige Unmöglichkeit einer Ventilation die Verheerungen der infici- 
renden Fieber besonders gefährlich, wenn letztere einmal Eingang gefun- 
den haben. Die Betten und das Bettzeug werden selten gewaschen oder 
gewechselt, sie sind daher in dem schmutzigsten Zustand. Sie bestehen 
gewöhnlich aus jenen porösen Stoffen, an denen die ansteckenden Dünste 
ganz besonders gern haften; wie gross die Gefahr des Schlafens in 
ihnen ist, ist ersichtlich. Selbst wenn ein Bett von einem Fieberkranken 
benutzt worden ist, der eben gestorben oder den man eben entfernt hat, 
so wird oft dasselbe Beit, ohne dass es in irgend einer Weise gereinigt 
oder gelüftet worden ist, sofort wieder von einem neuen Miether gebraucht, 
Bei dem schauderhaften Znstand dieser Logirhäuser habe ich etwas lange 
verweilt, weil ihre Uebel nach meiner Ansicht höchst gefährlicher Natur 
sind. Ich bin vollkommen überzeugt, dass diese Räume die reinsten Brut- 
stätten von Fieber in Manchester sind. Es ist meine entschiedene Mei- 
aung, dass die Verpestung der Luft durch Lebende viel gefährlicher für 
die Constitution ist, als die Schwängerung derselben mit den Ausdünstun- 
gen todter organischer Stoffe; und in der That veranlasst mich alles in 
Manchester Beobachtete, die in überfüllten und schlecht ventilirten Zim- 
mern entstandenen Miasmen der Menschen („human miasms“) als eine viel 
häufigere Ursache von Fieber anzusehen, als die von Anhäufung von Un- 
rath und von Mangel an Entwässerung herrührende Malaria. Ich bin zu 
diesem Schluss gekommen, weil ich bemerkt habe, dass das Fieber ge- 
wöhnlich weit umfassender in jenen Häusern herrschte, wo die zahlreich- 
sten Personen zusammengedrängt und die Ventilation schlecht waren, ob- 
gleich die Strassen, in denen sie sich befanden, gut gepflastert, gut ent- 
wässert und ziemlich frei von Koth waren, als in weniger überfüllten, 
obgleich letztere gerade da lagen, wo am meisten Malaria entsteht. Diese 
Folgerung wird auch unterstützt durch die Thatsache eines höheren rela- 
tiven Verhältnisses von Fieber zu anderen Krankheiten, das in den Distric- 
ten herrscht, wo die Anzahl der überfüllten Logirhäuser und engen
	        
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