Full text : Urtheile der deutschen Handelskammern über Zollpolitik und Handelsverträge

A.  ¿Uiiitqrctri)  Preutzen.
1.  Provin;  Drandendnrg.
Aelteste  der  ^rausmannschaft  zu  Berlin.
„Ueberblickt  man  das  umfangreiche  Vertragswert  in  seiner  Oiesamintheit.  io
springt  in  die  Augen,  wie  ungemein  bescheiden  noch  die  Vortheile  sind,  welche  wir
in  der  von  unserer  Regierung  eingeschlagenen  Richtung  auf  Erleichterung  des  allgemeinen ­
  Güteraustausches  gemacht  baden.  Schwer  läßt  sich  abwägen,  ob  bei
dem  befolgten  System  des  Rauschens  von  Tarifconcefsionen  der  Wertb  des  Gegebenen
und  Genommenen  annähernd  gleich  gewesen  sei;  der  .'»weiset  daran  erscheint  besonders ­
  hinsichtlich  des  schweizer  Vertrages  nicht  ungerechtfertigt.  Eine  Berechnung
darüber  läßt  sich  ja  leider  praktisch  überbaupt  nicht  ausführen,  weil  siet'  schlechterdings ­
  nicht  voraussehen  läßt,  um  wie  viel  der  Handel  auf  Grund  einer  bestimmten
^arifandcrung  wachsen  oder  abnehmen  wird.  So  bleibt  inan  einstweilen  aus  mebr
oder  minder  subjektive  Vermuthungen  angewiesen  und  wird  ein  objektiveres  Urtheil
erst  dann  gewinnen  können,  wen»  dem  Verkehr  inebrere  Iabre  Zeit  gelassen  sind,
die  neuen  Bahnen  zu  versuchen,  und  wenn  dann  zuverlässige  statistische  Erhebungen
über  unseren  Handel  nach  den  Vertragsländern  vorliegen  werden,  welche  den  Vergleich ­
  längerer  Perioden  aus  der  Zeit  vor  und  nach  dein  Vertragsschi  uste  gestatten.
Fürs  erste  kann  man  lediglich  zu  dem  Prinzip  der  neuen  Handelspolitik  Stellung
nehmen,  und  wir  stehen  keinen  Augenblick  an.  über  die  vollzogene  A  ende,
rung  unseres  handelspolitischen  Curses  das  günstigste  Urtheil  zu
fällen  und  den  weitschauenden  Erwägungen,  welche  die  Regierung  auf  den  neuen
Weg  geführt  haben,  aus  voller  Ueberzeugung  zlizustimmen.  Worin  wir  abweichen,
daö  ist  höchstens  die  Ansicht  über  das  Tempo,  in  dem  man  auf  diesem  Wege
vorwärts  gebe»  sollte,  wenngleich  wir  auch  nicht  verkennen  wollen,  daß  allmähliche
llebergänge  in  wirthschaftlichen  Dingen  ihre  Vorzüge  haben  und  daß  ein  solcher
»n  vorliegenden  Falle  auch  taktisch  zweckmäßig  sein  mag.  um  innner  weitere  Kreise
für  jene  Prinzipien  g»  gewinnen.  Denn  dessen  sind  wir  gewiß,  daß  jene  in  der
Denkschrift  so  richtig  gezeichnete  wirthschaftliche  Weltlage  die  Völker  Mittel-Europa-'
künftig  zu  noch  engerem  wirthschaftlichen  Zusammenschluß  zwingen  wird.  Man
wird  immer  mehr  einsehen  müssen,  daß  die  Abwehr  der  übermächtigen  wirthschaftlichenGegnerschaft ­
  des  Ostens  und  Westens  gebieterisch  eine  internationale  mitteleuropäische ­
  Arbeitstheilung  verlangt,  welche  jedem  Lande  die  ihm  nach  der  Beichaffenheit
  seiner  Bewohner  und  seines  Bodens  am  meisten  entsprechenden  Wirth,
schaftszweige  zuweist  und  den  Erzeugnissen  derselben  einen  leichten  Austausch
schafft.
"Durch  die  Ausbildung  eines  umfassenden  deutschen  Vertragstarifes  neben  dem
autonomen  ist  dem  Handel,  falls  er  von  dem  ersteren  Gebrauch  machen  will,  die
Aufgabe  zugefallen,  den  Ursprung  seiner  Artikel  aus  meistbegünstigten  Ländern
            
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