Full text: Urtheile der deutschen Handelskammern über Zollpolitik und Handelsverträge

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überwiegen!) in unserem ^cģiii. Tic Vergünstigungen, welche neuerdings kein 
deutschen Rübenzucker gewährleistet worden sind, sind diesseits um so lebhafter 
begrüßt worden, als unsere Zuckerindustrie bei ihren starken Beziehungen zum 
amerikanischen Eonsum nicht ohne Bedenke» den ersten thatkräftigen Anfangen der 
amreikanischen Rübenzuckerfabrikation gegenüber steht." 
„Als Hauptziel steht im Osten unerreicht noch die Anknüpfung der deutsch- 
russischen Handelsvertragsverbandlungen. Die Anzeichen, welche bisher dafür vor 
lagen, daß Rußland, welches erst tut Vorjahre in seinem Hoch'chutzzollsystem eine 
neue attise erklommen batte, entschlossen sein soll, den Berg seiner Zollbestimmnngen 
wieder abzutragen, wurden schon im Vorjahr auch in unserem Handelskammer 
bezirk lebhaft begrüßt, thatsächlich würde für unseren Bezirk der Nutzen, wie 
dieS schon im vorjährigen Berichte eingebend dargelegt wurde, ein sehr beträchtlicher 
sein. Zur Zeit ist für eine Reibe von Erzeugnissen der russische Markt nahezu 
gesperrt tie Hungersnoth, die beschränkte Getreideausfuhr, überhaupt die ganze 
wirthschaftliche Misere Rußlands haben den Antrieb zu einem zollpolitischen Ans- 
gleich unleugbar gesteigert und wesentlich wird auch die enttäuschte Hoffnung, daß 
Deutschland aus principieller Abneigung gegen Differentialzölle seiner Ausfuhr 
dieselben Sätze wie Oesterreich Ungarn einräumen werde, zu dem Entschlüsse mit 
gewirkt haben. Rußland muß eigene Erzeugnisse verkaufen, um damit seine» Be 
darf au ausländischen Produkten, der sich trotz aller ZollerhöKungcn nicht unter 
drücken läßt, zu bezahle»; den» Rußland ist vom Industriestaat noch weit entfernt, 
cs leben trotz aller Schutzzölle auch beute noch nur I pEt. der Bevölkerung von 
ui Industrie, und ihm bleibt als große Hauptsache für den Austausch vou Ge- 
tieide, iu zweiter finie Vieh, Hanf, Flachs. Für sein Getreide hat es die west 
europäischen Märkte nöthig, namentlich für Roggen kan» es Deutjchlant. den 
einzigen Großconsumenten dieser Getreidcart. auf die Dauer nicht entbehren und 
da Rußland jetzt durch einen Differentialzoll von 15 Mk. die Tonne von Deutsch 
land ausgeschlossen ist, so bat sich hieraus wohl am meisten ein Zustand ergeben, 
der zu Konzessionen nöthigt. Wir haben beim Bekanntwerden der Aussichten für 
einen deutsch-russischen Handelsvertrag sofort mit einer Enquête über die Bedürfnisse 
unserer Industrie und unseres Handels begonnen und werden die Ergebnisse der 
selben zur Kenntniß der Reichsregierung bringen. 
„Der italienisch.schweizerische Handelsvertrag hat eine allgemeinere Bedeutung, 
für das ganze in Mitteleuropa errichtete Vertrags-System. Für Deutschland da 
durch, daß uns ans dem in unseren Verträgen mit Italien und der Schweiz be 
dungenen Meistbegünstigungsrecht eine nicht zu unterschätzende Steigerung der in 
unsere» Tarifverträgen unmittelbar zugesicherten Vortheile erwächst- Für Deutsch 
land werden namentlich diejenigen Konzessionen Bedeutung gewinnen welche im 
Wesentlichen aus dem Gebiet der Jndustriezölle gemacht find. Insbesondere kommen 
die Zollermäßigungen in Betracht, welche Italien für gewisse Gewebe aus Baum 
wolle. Leide und Halbseite für verschiedene Maschinen, für Maschinenbeftandtbeile 
und für Uhr-Furnituren bewilligt hat. Unter den von schweizerischer Seite zu 
gestandenen Zollermäßigungen kommen namentlich die für lebende Pflanzen, für 
frisches Gemüse, für einige Seiden »nd Seidenwaaren, Wurstwaaren und Schweine 
in Betracht. 
„In dem erwähnten Abkommen mit Columbien und llniguay begrüßen wir 
den Anfang einer energisch weiter zu verfolgenden Vertragspolitik mit denjenigen 
südamerikanischen Staaten, auf welche sich gleichzeitig das Augenmerk der Ver-
	        
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