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(Zum Vertrage mit Italien): „Die uno von der Berliner Jndustie <k
äußerten Wünsche zum italienischen Handelsverträge haben nur in geringem Maße
Berücksichtigung gefunden."
(Zum Vertrage mit der Schweiz): „Bei weitem am wenigsten erfreulich sind
die Ergebnisse der VertragSverhandlungen mit der Schweiz gewesen. Dieser Staat
bat sich neuerdings von der seiner Lage und seiner Kleinheit so angemessenen frei
händlerischen Zollpolitik abgewendet und ist nach dem Muster seiner Nachbarn zun,
Schutzzollsystem übergegangen. Ein neuer Tarif mit ganz erbeblick' erhöhten
Sätzen der wichtigsten Einfuhrartikel ist am 10. April 1891 zum Bundesgesetz ge
worden und hat auch bei der seinetwegen am lx. October 1891 gehaltenen Volks
abstimmung die Mehrheit erlangt. Hierdurch wurde die Basis der Unterhandlungen
mit der Schweiz eine wesentliche andere als bei den Verträgen mit anderen Staaten:
während man bei den letzteren die Sätze des bestehenden McistbegnnstigungStarifs
zu erbalten oder womöglich herabzudrücken suchte, handelt eS sich bei der Schweiz
darum, von den prinzipiell erhöhten Sätzen einiges abzudingen, wobei das Er
gebniß meist noch erheblich über dem bisherigen Stande geblieben ist ... Enk
sprechend dem allgemeinen Charakter der neuen schweizerischen Handelspolitik haben
auch die uns geäußerten Wünsche, die aus Neduktion oder Bindung der früheren
MeistbegünstignngSsatze hinausgingen, arge Enttäuschungen erfahren."
.Handelskammer zu Cottbus (Niederlausist).
„Die bisherigen Schutzzölle haben zu Vergrößerungen bestehender Fabriken
und zu neuen Fabrikanlagen über die Absatzverbältnisie hinaus Veranlassung ge
geben und dadurch die Production außerordentlich gesteigert, während Verbrauch
und Ausfuhr in letzter Zeit sich erheblich verminderten. Wir wolle» aber der
Hoffnung Ausdruck geben, daß die abgeschlossenen Handelsverträge für die Zuknnşt
heilbringend sein werden, können jedoch hierbei nicht unerwähnt lassen, daß die
hiesige bedeutende Tuchindustrie keine Ursache bat. sich derselben besonders zu freuen,
da die in dieser Beziehung seinerzeit von der Handelskammer ausgesprochenen
Wünsche und gemachten Vorschläge nur unbedeutende und, soweit sie auf Zoll
Herabsetzung der vertragschließenden Staaten für unbedrnckte wollene Webwaareu
(Buckskins, Streichgarn- nndKammgarugewebe) gerichtet waren, teine Berücksichtigung
gefunden haben, obwohl unsererseits darauf hingewiesen worden ivar, daß eine als
Gegenleistung geforderte Herabsetzung des deutschen Eingangszolles für die heimische
Luchindustrie bei ihrer großen Leistungsfähigkeit keinerlei Gefahr in sich berge.
Die bisher dafür bestandenen hohen Eingangszölle Oesterreichs sind intakt, diejenigen
Italiens fast dieselben geblieben, und die Schweiz hat ihren Eingangszoll dafür
so bedeutend erhöht, daß die Ausfuhr dahin wesentlich erschwert worden ist. Auch
die anderen hier bestehenden Industriezweige, die Hutfabrikation, die Leinen
fabrikation, die Teppichfabrikation, die Glasfabrikation, haben von den Handels
Verträgen wenig oder gar keinen Nutzen, und wenn die hiesigen Industriezweige
durch Intelligenz, Strebsamkeit, Fleiß und Ausdauer der llntcruehiner sich lebens
fähig erhalten haben, trotz der Ungunst der Zeit und der dem Fabrikwesen staat
licherseits auferlegten und sich steigernden Lasten, so fürchten wir doch, daß alto
Aufmerksamkeit und alle Bemühungen, den ihnen ungünstigen Zollverhältnissen
des Auslandes etwas Gutes abzugewinnen, nur wenig Erfolg haben werden."