Full text : Urtheile der deutschen Handelskammern über Zollpolitik und Handelsverträge

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verletzt  glauben,  allgemeine  Befriedigung  hervorgerufen.  Wenn  auch  diese  Verträge
uno  von  dem  idealen  Zustande  deo  freien  Güteranotauscheo  unter  den  Nationen
noch  weit  entfernt  lassen,  da  co  außerhalb  der  Macht  eines  einzelnen  Staateo  wie
Deutschland  liegt,  die  anderwärts  herrschenden  Anschauungen  über  die  unbedingte
Nothwendigkeit  hoher  Schutzzölle  aufzuheben,  so  bezeichnen  diese  Verträge  doch  einen
Fortschritt  auf  dem  Wege  zu  freierem  Güteraustausch  und  beendigen  den  seither
üblichen  Gebrauch  der  fortgesetzten  Anziehung  der  Zellschraube  auf  längere  Zeit.
Wir  erwarten  von  den  Handelsverträgen  keinen  allgemeinen  Umschwung  des
europäischen  Geschäftsverkehrs  —  dazu  sind  die  Veränderungen  im  Zollsysteme
nicht  wesentlich  genug  —,  aber  wir  versprechen  uns  mannigfache  Erweiterungen
des  deutschen  Absatzfeldes  und  freuen  uns  der  Sicherheit  und  Ruhe,  welche  sie
unserer  Industrie  für  zwölf  Jahre  gewähren.  Ein  Bedauern  über  zu  wenig  oder
nicht  Erreichtes  und  Wünsche  nach  weiterem  Vorgehen  in  der  Richtung  der  Handelsvertrüge
  anoznsprechen  enthalten  wir  uno  an  dieser  Stelle,  da  wir  einerseits  in  die
weitgehenden  Bemühungen  unserer  Staatoleitung,  das  Höchstmögliche  zu  erlangen,
alles  Vertrauen  setzen  und  andeierscitS  das  Einleben  und  eine  praktische  Handbabnng
  der  neugeschaffenen  Verkebrobedingungen  für  erforderlich  halten,  ehe  neue
Dünsche  vorgebracht  werden  können.
„Bereits  Ende  November  1886.  vor  Ablauf  des  deutsch  österreichischen  Handelsvertrages ­
  vom  23.  Mai  1881,  hatten  wir  den  hiesigen  Handels,  und  Gewerbestand
aufgefordert,  seine  Ansichten  und  Wünsche  über  die  Erneuerung  des  Handels-Vertrages
  auszusprechen.  Die  aus  Grund  dieser  Umfrage  erhaltene  Auskunft  wurde
dem  Herrn  Handelsminister  am  28.  December  1886  überreicht.  Gleichzeitig  batte
der  Ausschuß  dcS  Deutschen  HandclstageS  die  Mitglieder  desselben  ersucht,  ihm
die  besonderen  Erfahrungen  kundzugeben,  welche  hinsichtlich  der  Handelsbeziehungen
mit  Oesterreich-Ungarn  gemacht  worden,  sowie  auch  die  Anträge,  welche  für  die
einzuleitenden  Verhandlungen  hieran  zu  knüpfen  wären.  Dieser  Aufforderung  entsprachen ­
  6!)  Mitglieder  (darunter  auch  die  Handelskammer  Frankfurt  a.  MZ.  In
einer  umfangreichen  und  gediegenen  Denkschrift  wurden  diese  Gutachten  Seitens
des  Präsidiums  des  Hantelstages  zusammengefaßt  und  der  Staatsregierung  überreicht.
Von  allgemeinen  Gesichtspunkten  wurden  insbesondere  besprochen:  der  Werth  der
Handelsverträge  im  Wirthschaftslebcn  der  Kulturvölker;  die  Sicherung  der  Stabilität
der  Handelsbeziehungen  durch  Tarifverträge;  die  Fragen  der  Herkunft  und  des
Ursprunges  deutscher  Waaren;  die  Erfordernisse  für  Nationalisirnng  der  Waaren;
das  Differcntialzollsystcm  u.  s.  w.  Der  folgende  Theil  der  Denkschrift  behandelte
eingehend  die  verschiedenen  Waarengattungen  in  4!»  Larifklassen.  Wir  sprachen
NUS  schon  damals,  zum  Zwecke  der  Erleichterung  des  gegenseitigen  Vei-kehre  und
im  Interesse  der  Stabilität  der  geschästlichcn  Beziehungen  für  den  Abschluß  eines
neuen  Handelsvertrages  verbunden  mit  einem  Ccnventionaltarif  aus.  und
wünschten  ausdrücklich  die  Aufnahme  der  Meistbegünstigungsklausel.
„Später,  am  18.  September  18!>0,  richteten  wir  abermals,  um  den  Einfluß
zu  ermitteln  lind  festzustellen,  welchen  der  inzwischen  in  Krast  getretene  österreichische
Zolltarif  voin  26.  Mai  1887  mit  seinen  späteren  Zusatzbestimmungen  auf  unseren
Handelsverkehr  gehabt  hatte,  an  die  Handel-  und  Gewerbetreibenden  unseres  Bezirks
ein  Rundschreiben  mit  nachstehende»  Fragen:  .
1)  Welchen  Einfluß  auf  Ihren  Verkehr  mit  Oesterreich-Ungarn  übt  der
österreichische  Zolltarif  vein  26.  Mai  1887.  bezw.  dessen  spätere  Zusätze
            
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