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fetali die Schweiz erst in Beziehung zu anderen Staaten definitive Zustande er.
reicht haben wird.
„Wir haben oben gesagt, daß gegen das Ende der achtziger Jahre Deutsch
land den Höhepunkt seiner in den siebenziger Jahren begonnenen wirtbschastlichen
Blüthe erreicht hatte und daß seitdem ein Stillstand eingetreten sei, und es ist
thatsächlich nicht zu verkennen, daß wir uns heute in einer Periode geschäftlichen
Niederganges oder wenigstens einer Stockung befinden, welche in den verschiedensten
Zweigen des wirtbschastlichen Lebens in die Erscheinung tritt: die in zahlreichen
Industriestädten immer wachsende Zabi der Beschäftigungslosen, die sinkenden Ein-
nabmen der Eisenbahnen insbesondere aus der Güterbeförderung und ähnliche An
zeichen deuten aus eine »msasscnde Minderung der gewerblichen Thätigkeit. Auch
für die nächste Zukunst wird man eine Besserung in dieser Richtung nicht zu er
warten haben, vielmehr auch weiter mit den gegenwärtig herrschenden ungünstigen
Zeitverhältnissen rechnen müssen. Ein großer Irrthum aber würde es sein, an-
zunehmen, und wir möchten nicht unterlassen, hiervor zu warnen, daß diese Stockung
in unserer wirtbschastlichen Entwickelung ihre Ursache in den neuen Handels
verträgen zu suchen haben werde. Gewiß werden sich Biele zu einein solchen Per-
kennen der Lage verleiten lassen, darum ist es nöthig, schon jetzt auf das Irrige
eines solchen Urtheils hinzuweisen. Derartige Perioden des Niederganges kehren
erfahrungsgemäß von Zeit zu Zeit im wirthschaftspolitischen Leben wieder und
wir glauben mit der Behauptung nicht feblzugeben. daß dieselben sogar absolut
nöthig sind, um eine dauernde gesunde Entwickelung vorzubereiten und zu sichern
Eine ununterbrochene Reihe von guten Tagen kann nicht das alleinige Heil des
Erwerbslebens bedeuten, vielmehr muß durch zeitweilige ungünstige Perioden da-
für gesorgt werden, daß die Energie des Producirendcn gestärkt werde, seine
Arbeit eine haushälterische sei und bleibe und er eS nicht verlerne, seine besten
Kräfte in den Mampf zu führen und siegreich bleiben zu lassen. In diesem Sinne
wird die deutsche Industrie und der deutsche Handel die gegenwärtige wirtbschaft-
liche Stockung aufzufassen und sich mit ihr abzufinden baden
„Was nun die Aufnahme der neuen Handelsverträge in unserer
Pfalz betrifft, so läßt sich nicht leugnen, das; sich vielfache Enttäuschungen kund
gegeben haben und daß zum Tbeil auch ernstliche Besorgnisse laut geworden sind.
Besonders ist cs die bochbedeutcnde Pirmasenser Schuhindustrie und ferner vor
Allem die pfälzische Weinproduction, welche mit ihren Befürchtungen hervortreten.
Und in der Tbat kann man dieselben nicht unberechtigt nennen, wenn man erwägt,
daß durch Erleichterung der österreichischen Einfuhr von Schubwaaren nach Deutsch
land den deutschen Schuhfabriken ein Concurrent noch erheblich gefährlicher ge
worden ist, welcher auch bisher schon nicht ohne Bedeutung war, während zugleich
die Schweiz derselben Industrie als Absatzgebiet in Folge der einer Verdoppelung
fast gleichkommenden Erhöhung der schweizerischen Eingangszölle beinahe entzogen
worden ist. Ferner wird man auch die Besorgniß des pfälzischen Winzers ver
stehen, wenn man die bedeutende Erleichterung in's Ange faßt, welche die Einfuhr
italienischer Weine. Moste und Trauben erfahren bat. Infolge der Herabsetzung
des deutschen Eingangozolles von Mk. 24.— auf Mk. 20.— resp. Mk. 10.—
steigen tem Producenten bange Zweifel auf, ob die Cultur der Rebe, insbesondere
der Portugieserrebe, sich in Zukunft noch re,ihren werde angesichts der in Aussicht
stehenden Masseneinfuhr italienischer Verschnittweine und der damit Hand in Hand
gehenden Verbilligung der Preise; man fragt sich ferner, welche Garantien denn