Object: Das Jungdeutsche Manifest

III. DER KAUFM. NACHRICHTEN- U. GÜTERVERKEHR 113 
weder in full'oder plus x% Primage?). Es ist daher notwendig, an- 
zugeben, wieviel Gewichtseinheiten auf die angegebene Raumbasis 
gerechnet werden; dieses Verhältnis zwischen Raum und Gewicht ist 
selbstredend für die einzelnen Waren, aber auch in den einzelnen 
Hafenplätzen verschieden und wird usancemäßig in den sogenannten 
Tonnage scales festgesetzt. So rechnet man z. B. in New York die 
ton measurement für Zucker, Eisen, Reis und Farbhölzer zu 2000 lbs, 
für Kaffee in Säcken zu 1830 lbs, für Getreide zu 36 amerikanischen 
Bushels, für Mehl zu 8 Barrels & 196 lbs usw. Die Frachtraten wech- 
seln nach Lage des Frachtmarktes, sind daher in den‘ Ausfuhrhäfen 
in der Saison zumeist höher als in den anderen Jahreszeiten und 
werden an den Börsen dieser Hafenplätze täglich notiert. 
Gegenüber dieser wechselnden Konjunktur bieten die Fracht- 
tarife der großen Linienreedereien eine feste Kalkulationsgrundlage. 
Sie gelten nur- für die Ausreise (auf der Heimreise fahren, wie 
bereits erwähnt, auch die Linienreedereien zur Frachtrate) und 
werden in ähnlicher Weise aufgestellt wie die Frachttarife der Eisen- 
bahnen. Sie teilen die Güter nach ihrem Werte und der Ausnutzung 
des Raumes in mehr oder weniger Tarifklassen ein und setzen je 
nach der Beschaffenheit der Güter die Frachtsätze für die Raumtonne 
oder für die Gewichtstonne fest. Für die Verfrachtung auf Schnell- 
dampfern werden höhere Frachtsätze normiert. Die Zahl der Tarif- 
klassen auf den viel befahrenen Routen ist größer als im Eisenbahn- 
verkehr, die Klassierung der Güter also noch mehr abgestuft. Am 
weitesten vorgeschritten ist diese Klassifikation im nordatlantischen 
Verkehr; für diese Routen teilen die großen Dampfschiffahrtgesell- 
schaften. die Frachtgüter meist in 6 Klassen und setzen die hiefür 
abgestuften Tarifsätze gewöhnlich für die Raumtonne oder nach 
Wahl der Schiffahrtgesellschaft für die Raum- oder Gewichtstonne 
fest (ton weight and/or measurement). Auch für andere Schiffahrts- 
linien bestehen feste Tarife, doch finden sich hier schon häufig Zu- 
schläge zum Frachtsatz, wie Primage, Leichterkosten, Tonnenabgabe, 
Hafengebühr; anderseits werden für größere Mengen oder, wenn die 
erforderliche Anschlußverfrachtung mit einer bestimmten Schiffahrt- 
gesellschaft. auf Grund von Vereinbarungen zwischen den beiden 
Gesellschaften erfolgt, Rabatte vom angegebenen Frachtsatz gewährt. 
Solche Vereinbarungen werden auch' zwischen Schiffahrtgesell- 
schaften und überseeischen Eisenbahngesellschaften getroffen und 
ermöglichen es, daß einheitliche Frachtsätze für die Seereise und 
die anschließende Bahnfahrt ins Innere des Landes aufgestellt wer- 
7) Die Primage, auch Kapplaken oder Cappa, war ursprünglich ein 
Geschenk für die Schiffsmannschaft, damit diese dem Frachtgut besondere 
Fürsorge angedeihen lasse; jetzt bildet sie nur einen Teil der Fracht und 
ist als solche eine Einnahme der Schiffahrtgesellschaft, 
Ottel, Technik des wirtschaftlichen Verkehrs
	        
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