Full text : Die Theorie des Geldes

132

Capitel  V.

sondern  vielmehr,  wie  gesagt,  wenigstens  zunächst
immer  nur  der  Stand  (des  Diskontos  und)  der  Wechwolü

  im  Alterthum  und  Mittelalter  üblich,  kommt  aber  heutzutage, ­
  wenigstens  in  Europa,  bei  den  modernen  oder  ökonomisch
vorgeschrittenen  Völkern,  und  in  Eriedenszeiten  kaum  mehr  vor
(ausser  höchstens  noch  bei  den  Bauern).  Siehe  schon  die  oben
citirte  Stelle  von  Stewart.  Vielmehr  giebt  es  heutzutage  neben
der  eigentlichen  Kassenhaltung,  die  wenigstens  in  erster  Linie
nur  dem  Bedarf  an  Geld  zu  Zahlungen  im  Inlande  dient  oder  zu
dienen  bestimmt  ist,  nur  noch  einen  Handel  mit  Edelmetall,
in  der  Gestalt  von  Barren  und  fremder  Münze  („bullion  trade“),
der  nicht  nur  einen  Ueberfluss  und  Mangel  an  Edelmetall  zu
Prägungszwecken  sondern  auch  einen  UeberÜuss  und  Mangel  an
Edelmetall  zu  Zahlungen  nach  dem  Auslande  auszugleichen  bestrebt ­
  ist.  Auch  die  Banken  häufen  nicht  planmässig  Geld  oder
Gold  und  Silber  über  den  Bedarf  hinaus  an,  sondern  halten
nur  Geld  vorräthig  im  Hinblick  auf  ganz  bestimmte  Zwecke,
d.  h.  um  einem  möglicherweise  oder  voraussichtlich  eintretenden
Bedarf  zu  Zahlungen,  sei  es  im  Inland  oder  nach  dem  Auslande,
entsprechen  zu  können.  Zum  Theil  führen  sie  die-  Kasse  des  Publikums, ­
  zum  Theil  treiben  sie  auch,  wie  z.  B.  die  Bank  of  England, ­
  Handel  mit  Edelmetall.  Wenn  sie  mehr  Geld  oder  Edelmetall ­
  vorräthig  halten,  als  stricte  erforderlich  ist,  oder  thatsächlich
wirklich  zur  Verwendung  kommt,  so  geschieht  das  eben  einfacli
der  Sicherheit  wegen,  d.  h.  weil  sich  der  Bedarf  an  Geld  zu
Zahlungszwecken  niemals  genau  vorausberechnen  lässt,  nicht  aber
zu  dem  „abstracton“  Zweck,  „um  jederzeit  im  Fall  des  Bedarfs
über  Kaufkraft  verfügen  zu  können.“  Wäre  es  nach  alledem  nicht
besser,  wenn  man  diesen  ganzen  Nibelungenhort  in  den  Rhein  versenken ­
  und  sich  einfach  mit  der  Unterscheidung  zwischen  Geld
und  Waare,  und  zwischen  Münze,  im  Sinn  der  Landeswährung
            
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