Contents: Ferdinand Lassalle

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Edelleute, die nur etliche Jahrhunderte existieren; vom 
ersten zivilisatorischen Volke, welches in der Geschichte 
auftritt, und von den alten Königen Syriens. 
Es ist wahr, ich könnte Ihnen das Opfer bringen, 
Christ zu werden, obgleich nach unseren Gesetzen keine 
Notwendigkeit dazu vorhanden, uub die Ehe zwischen 
Christen und Juden gestattet ist. Und wenn es eine 
unumgängliche Bedingung wäre, ich würde es vielleicht 
tun. Aber es würde mir schwer fallen, Sophie. Ich 
will es Ihnen sagen, weshalb. Ich liebe die Juden 
durchaus nicht, ja im allgemeinen verabscheue ich sie. 
Ich sehe in ihnen nur die sehr entarteten Söhne einer 
großen, aber längst entschwundenen Vergangenheit. 
Diese Leute haben während der in der Sklaverei ver 
brachten Jahrhunderte auch die Eigenschaft der Sklaven 
angenommen; und deshalb bin ich ihnen äußerst un 
günstig gesinnt. Ich habe auch gar keine Verbindung 
mit ihnen. Unter meinen Freunden und in der Ge 
sellschaft, die mich hier umgibt, ist fast nicht ein einziger 
Jude. Es sind also keinerlei Rücksichten, die mir diesen 
Wechsel etwas peinlich nrachen würden. 
Aber, Sophie, ich bin ein Mann der Politik, und, was 
noch mehr sagen will, ich bin das Haupt einer Partei. 
Und die Partei, welche die meinige ist, muß an dem 
Grundsätze festhalten, nie einem Vorurteil sich zu beugen, 
da dies nur Feigheit sein würde, und nie darf sie einen 
Akt der Heuchelei begehen. Wie soll ich es also mit dem 
christlichen Glauben machen, wenn, was jedermann 
weiß und ich auch nie verhehlen werde, ich ebensowenig 
von der christlichen wie von der jüdischen Religion im 
Herzen trage! Würde es nicht den Anschein haben, daß
	        
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