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Die Beispiele dieser letzten Art, die einen Rück
schritt, eine Rückkehr zu niederen Formen darstellt,
sind indessen mindestens zweifelhaft und sicherlich sel
ten.*) Häufig entsteht vielmehr im Gegenteil die Collec-
tivfabrik aus der capitalistischen Umformung der Haus
und Tagelöhnerarbeit.
Das ist z. B. der Fall bei der Strohflechterei in
Toscana und im Geerthal, bei der Spielwarenfabrication
des Thüringer Oberlandes, bei der Spitzenweberei in
Flandern, bei der Holzschuhfabrication in Waes und
fast überall bei der Leinen- und Wollweberei.
So finden wir neben den ehemaligen „Meistern“ —
Messerschmieden von Namur, Kunsttischlern von Paris,
Hauswebern (Canuts) von Croix-Rousse, die die herrlichen
Seidenwebereien fertigen, — neben versclavten ehemals
selbständigen Unternehmern, wie Schneidern, Schustern,
Webern, Cigarrenmachern, die noch in ihrer eigenen
Werkstatt aber für die Rechnung eines Capitalisten
arbeiten, eine Menge von Heimarbeitern, die von
dem Unternehmer direct eingestellt worden sind, jeden
falls aber nicht vom Handwerk zur Heimarbeit gekommen
sind.
Wie aber auch immer der Ursprung der Hausindustrie
sein mag, was sie in jedem Fall charakterisiert, das ist die
Abhängigkeit der Arbeiter in Bezug auf den Absatz ihrer
Producte, eine Abhängigkeit, die im allgemeinen zum
Wohlstand des Unternehmers und zum Elend, oder, wenn
sie noch etwas zu verlieren haben, zum Ruin der Pro
ducenten führt.
Ununterbrochene Lohndrückerei, erzwungene Arbeits
losigkeit während der toten Saison — die man so nennen
kann, weil der Hungertod da seine Ernte hält — über
mässige Arbeit während der Zeit lebhaften Geschäfts-
*) Vergl. z. B. Kowalewsky: Le régime économique
de la Russie (Paris Giard et Brière, 1898), pag. 173 ff.