Full text : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

8.  Kap.  Der  Aufschwung  und  der  Verfall  der  Nationen.

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und  der  chinesischen  Emigranten  nach  Amerika.  Von  ganz  anderer  Natur  ist
die  definitive  Auswanderung,  welche  eine  größere  oder  geringere  Anzahl  von
Menschen  in  wenig  besiedelte  Gegenden  und  in  fremde  Welttheile  führt.  Dahin
gehört  die  Auswanderung  der  Engländer,  Irländer,  Deutschen,  Spanier  u.  s.  w.
nach  Amerika.  Eine  solche  Emigration  bringt  dem  Lande,  welches  die  Auswanderer ­
  verlaffen,  in  dem  Falle  großen  Vortheil,  wenn  dieselbe  zugleich  mit
der  Politischen  und  commerciellen  Unterwerfung  des  betreffenden  Landes  durch  das
Vaterland  der  Auswanderer  in  Verbindung  steht.  Dasselbe  zieht  alsdann  aus
den  neubesiedelten  Gebieten  große  Vortheile  in  der  Gestalt  von  Kapital-,  Industrie- ­
  und  Handelsgewinn  u.  s.  w.  Die  meisten  Staaten  Westeuropas,  besonders
ober  England,  Holland  und  Frankreich,  haben  aus  einer  derartigen  Emigration ­
  Gewinn  gezogen  und  thun  es  noch.
Die  Franzosen  unterscheiden  mit  Recht  zwei  Arten  von  Kolonisation:
colonies  de  peuplement  und  colonies  d’exploitation,  je  nachdem  die  Bestedelung
  des  abhängigen  Landes  durch  Söhne  des  Mutterlandes  mit  directen
Vortheilen  für  das  Kapital  und  die  Production  des  letzten:  verbunden  ist
oder  nicht.  Manitoba  und  Victoria  sind  Kolonien  ersterer,  Britisch-Jndien
und  das  französische  Hinderindien  solche  der  letztern  Art.  Eine  dritte  Art  der
Kolonisation  besteht  darin,  daß  ganze  Stämme  und  Völker  neue  Wohnsitze
aufsuchen.  Dahin  gehören  die  Erobcrungszüge  der  alten  Gallier  nach  Italien
und  Kleinasien,  diejenigen  der  Teutonen  in  das  Gebiet  des  römischen  Reiches,
das  Vordringen  der  germanischen  Stämme,  welche  sich  zur  Zeit  der  Völkerwanderung ­
  im  Westen  des  römischen  Kaiserreiches  niederließen,  und  im  Mittelolter
  die  Invasionen  der  Normannen,  der  Tataren,  der  Türken  u.  s.  w.,
welche  zur  Gründung  neuer  nationaler  Staaten  führten.  Alle  diese  Völker
şkbten  sich  QU&  festgefügten  Familien  zusammen,  die  einen  Ueberschuß  der
Geburtenzahl  über  die  Ziffer  der  Todesfälle  aufzuweisen  hatten.  Sonst  hätten
sie  ihr  siegreiches,  staatengründendes  Vordringen  nicht  zur  Ausführung  bringen
önnen.  Die  Bethätigung  einer  beträchtlichen  Auswanderung,  mag  sich  dieselbe ­
  in  dieser  oder  in  jener  Form  vollziehen,  ist  ein  wesentlicher  Eharakterzug
un  Leben  einer  kräftigen  Nation.  Es  besteht  allerdings  noch  ein  anderes
Mittel,  die  Uebelstände,  welche  sich  als  Folgen  der  Uebervölkerung  ergeben,
wutanzuhalten  oder  zu  beseitigen,  die  Beschränkung  der  Zahl  der  Geburten,
^lber  die  Anwendung  dieses  Mittels  bringt  überaus  große  Uebelstände  mit
sich-  denn  eine  solche  Beschränkung  kann  nur  dadurch  herbeigeführt  werden,
baß  weniger  Ehen  geschlossen  werden  oder  daß  die  Leute  erst  später  heiraten
und  weniger  Kinder  erzeugen.  Das  hat  jedoch  ein  höchst  bedauerliches  Anwachsen ­
  der  Jmmoralität  zur  Folge,  welches  sich  iu  verschiedener  Weise  äußert
und  auch  auf  die  wirtschaftlichen  Verhältniße  von  nachtheiligstem  Einflüße
sein  muß.  Ist  doch  dos  Bestehen  der  Nothwendigkeit,  für  eine  Familie  zu
            
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