Full text : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

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I.  Buch.  Production  und  Consumtion.

sorgen,  ein  überaus  mächtiger  Antrieb  zu  Fleiß,  Genügsamkeit,  Ausdauer
u.  s.  w.,  und  setzt  doch  die  wechselseitige  Förderung  und  Hilfe  in  geistiger
und  materieller  Hinsicht,  welche  die  Familienglieder  einander  angedeihen  lasten,
der  Verarmung  in  wirksamster  Weise  Grenzen.  Das  häusliche  Zusammenleben ­
  der  Eltern  und  Geschwister  bildet  eine  Quelle  reinsten  Erdenglücks.
Die  Unsittlichkeit  aber  macht  die  Menschen  für  diese  edeln  Gefühle  mehr
oder  weniger  unempfindlich  und  ist  zudem  eine  Quelle  schädlicher  Ausgaben, ­
  die  zu  vollständiger  Verarmung  führen  können.  Es  steht  demnach  zu
fürchten,  daß  bei  den  Völkern,  welchen  ein  hoch  entwickelter  Sparsinn  abgeht,
lind  welche  sich  nicht  durch  eine  besondere  Begabung  für  gewisse  einträgliche
Productionszweige  auszeichnen,  die  Verminderung  der  Eheschließungen  und
das  Sinken  des  Familienlebens  nicht  nur  eine  Abnahme  der  wahren  Geistesbildung ­
  und  eines  edeln  Kunstlebens,  sondern  auch  des  Fleißes  und  des
materiellen  Wohlstandes  zur  Folge  haben  wird.
Beispiele  für  diese  Wahrheit  lasten  sich  in  Menge  anführen.  Unter  den
eingebogen  Australiern  sind  die  Familien  wenig  zahlreich.  Tie  Ehe  ist  bei
denselben  den  Männern  streng  verboten,  bis  sie  28  oder  30  Jahre  alt  sind.
Vielleicht  nahmen  diese  armseligen  Stämme  von  Jägern,  die  sich  ihren  Unterhalt ­
  nothdürftig  genug  erwerben,  ihre  Zuflucht  zu  diesem  Mittel,  um  einer
drohenden  Uebervölkerung  zu  steuern.  Aber  es  hat  zn  nichts  anderem  als
zur  Verewigung  ihres  elenden  Zustandes  geführt.  Bei  den  ganz  oder  zum
großen  Theile  von  ihren  Herden  lebenden  Völkern  Centralasiens  lebt  ein'  großer
Theil  der  Menschen  als  Lanías  in  den  buddhistischen  Klöstern.  Die  Ursache
dieser  Erscheinung  ist  vielleicht  gleichfalls  in  der  Furcht  vor  Uebervölkerung
zu  suchen.  Aber  dieses  Auskunftsmittel  hat  die  Kraft  dieser  Stämme  vernichtet. ­
  Sie,  die  früher  der  Schrecken  Asiens  und  Europas  waren,  gehen  jetzt
in  den  Chinesen  auf.  Weil  sie  sich  in  so  geringem  Maßstabe  vermehren,
fehlt  ihnen  der  Antrieb,  vom  Hirtenleben  zum  Ackerbau  überzugehen.'
Die  Griechen  des  klassischen  Alterthums  beschränkten  nach  ihrem  eigenen
Geständniß  die  Zahl  ihrer  Kinder,  verfielen  aber  infolgedessen  in  die  schlimmsten
sittlichen  Verirrungen  und  verloren  ihre  nationale  Unabhängigkeit.  Erst  das
Christenthum  erweckte  unter  ihnen  von  neuem  ein  starkes  und  heilbringendes
Familienleben  und  im  byzantinischen  Reiche  auch  eine  ziemlich  lebenskräftige
politische  Organisation  ihres  Volksthums.
Betreffs  der  Auswanderung  ergibt  sich  indessen  eine  Schwierigkeit.  Dieselbe ­
  ist  doch  immerhin  nur  ein  zeitweises  Auskunftsmittel.  Was  soll  dann
geschehen,  wenn  einmal  all  das  zur  Ansiedlung  taugliche  Land  in  Besitz  genommen
  sein  wird?  Wird  man  sich  dann  nicht  abermals  dem  Dilemma  gegenüber ­
  sehen,  zwischen  den  Leiden  der  Uebervölkerung  und  den  mit  der  Beschränkung
der  Eheschließungen  und  der  Geburtenzahl  verbundenen  Uebeln  schlimmster  Art
            
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