Full text : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

158

I.  Buch.  Production  und  Consumtion.

Uebelständen  Anlaß  gegeben.  Man  ist  in  frühern  Zeiten,  ja  selbst  noch  im
vorigen  Jahrhundert,  gegen  Wilddiebe  mit  ganz  ungehöriger  Strenge  vorgegangen. ­
  Vor  allein  aber  muß  darauf  hingewiesen  werden,  wie  mancher
Schaden  an  Feldfrüchten  durch  das  Wild  und  in  frühern  Zeiten  auch  durch
rücksichtsloses  Vorgehen  der  Jagdherren,  welche  die  Saaten  zerstampften,  angerichtet ­
  wurde  und  noch  angerichtet  wird,  ohne  daß  den  geschädigten  Landleuten ­
  eine  angemessene  oder  unter  Umstünden  überhaupt  nur  irgend  eine  Entschädigung ­
  geleistet  worden  wäre  oder  würde  1 .  Aber  diese  Übeln  Folgen  sind
nicht  nothwendigerweise  mit  dem  Jagdvergnügen  verbunden;  dasselbe  übt  vielmehr ­
  an  und  für  sich  oftmals  einen  recht  heilsamen  Einfluß  aus.  Die  Jagd
zieht  von  manchen  ungesunden  oder  unsittlichen  Beschäftigungen  des  Stadtlebens ­
  ab,  befördert  den  längern  Aufenthalt  der  Grundherren  auf  ihren  Besitzungen ­
  und  gibt  zu  häufigen  persönlichen  Beziehungen  zwischen  diesen  und
den  Leuten  aus  dein  Volke  Anlaß.
0)  Ausflüge  aller  Art,  soweit  dieselben  nicht,  wie  das  Reiten,
Rudern  u.  dgl.,  unter  den  Begriff  der  körperlichen  Uebungen  fallen.  Dieselben
werden  zu  Fuß,  mit  Benutzung  der  Eisenbahn,  zu  Wagen  oder  Schiff  unternommen, ­
  und  die  Summe  der  für  derartige  Vergnügungen  ausgegebenen
Beträge  ist  recht  bedeutend.
Es  gehört  in  den  großen  Städten  Europas  und  Amerikas,  ganz  besonders ­
  aber  in  denen  der  südlichen  Regionen  beider  Welttheile  zum  guten
Ton,  in  einem  mit  schönen  Pferden  bespannten  Wagen  auf  gewissen  Promenaden ­
  herumzufahren,  und  diese  Vergnügungsart  ist  schon  seit  geraumer
Zeit  herkömmlich.  Reu  ist  dagegen  die  Erscheinung,  daß  so  viele  Menschen
größere  oder  kleinere  Vergnügungsreisen  machen.  Dies  ist  eine  Folge  der
vervollkomnmeten  Transportmittel  der  Neuzeit,  unb  in  der  That  ist  infolge ­
  des  aufreibenden  Geschäftstreibens,  der  angestrengten  Geistesarbeit  und
des  Anwachsens  der  Städte  mit  ihrer  im  Sommer  oftmals  so  drückenden
1  Eü  ist  für  unsere  Zeit  geradezu  unverständlich,  in  welchem  Grade  der  Adel  der
frühern  Jahrhunderte  und  selbst  noch  derjenige  des  18.  Jahrhunderts  auf  seine  Jagdrechte
erpicht  war.  Die  von  Taine  (Origines  de  la  France  contemporaine  I  [9 e  éd.
Paris  1880],  71—76)  gegebene  Schilderung  der  einschlägigen  Verhältnisse  ließe  es  begreiflich ­
  erscheinen,  wenn  nur  aus  diesem  Grunde  allein  eine  Revolution  ausgebrochen
wäre.  In  Salzburg  verwendete  man  unter  dem  wohlwollenden  Grafen  Sigmund
Schrattenbach  zu  den  schwersten  Arbeiten  Jagdfrevler,  die  dabei  eine  Kugel  am  Fuße
nachzogen  und  ihr  Mittagsmahl  von  den  Bürgern  erbetteln  mußten.  Ja  es  ka>n
vor,  daß  übereifrige  Juristen  den  Jagdfrevel  für  ein  Majestätsverbrechen  und  die
schwersten  Strafen  darauf  für  anwendbar  erklärten.  Auch  darf  nicht  aus  den  Augen
gelassen  werden,  daß  noch  heutzutage  in  gewissen  Gegenden  durch  das  Wild  höchst
trächtlicher  Schaden  angerichtet  wird,  dessen  Nachweis  vor  den  die  Entschädigungen
regelnden  Behörden  nicht  immer  leicht  fällt.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.