Full text: Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

182 
II. Buch. Der Güteraustausch. 
verwendet, mehr Kaffee und Zucker als früher kauft. So ist es denn eine I 
sehr schwierige Aufgabe, eine Tabelle aufzustellen, in welcher die verschiedenen ¡ 
Bedürfnisse der einzelnen Menschen nach dem Grade der Wichtigkeit, welche 
sie für die Individuen besitzen, aneinandergereiht wären. Die augenblicklich 
im Anschluß an die gerade überwiegende Gestaltung der Verhältnisse gezahlten ļ 
Preise sind kein sicherer Maßstab für den Grad, in welchem die verschiedenen 
Gegenstände, nach denen der Mensch Verlangen trägt, von ihm geschätzt werden, | 
und es ist das um so weniger der Fall, als gewiffe Güter ihrer Beschaffen 
heit nach nicht sehr wesentlich voneinander verschieden sind und das eine der 
selben ohne große Unannehmlichkeiten für den Consumenten an die Stelle dc-- 
andern treten kann. Das letztere ist namentlich dann der Fall, wenn die j 
betreffenden Individuen nicht sehr verwöhnt sind und keinen hohen Werth auf 
die feinern Nuancen legen, wie sie hinsichtlich des Geschmacks, der Form, der 
Farbe u. s. w. zwischen den verschiedenen Sorten der mannigfachen Gattung^ 
von Gegenständen, die dem menschlichen Gebrauch und Verbrauch dienen, ge 
stehen. Je größerer Werth übrigens von einer beträchtlichen Anzahl von Per 
sonen den Eigenschaften gewisser Kaffee-, Thee-, Wein- und Zuckersorten bei 
gelegt wird, je mehr sich die elegante Welt in ihrem Geschmack der Art und 
Weise zuwendet, wie gewisse wohlgestaltete Gebrauchsartikel für die höher" 
Klassen liefernde Productionscentren ihre Erzeugnisse herzustellen wissen, desto 
weniger werden diese letztem Preisschwankungen unterliegen. Es ist "i^ 
leicht, einen Ersatz dafür zu finden, und so können sich z. B. die ander- 
wärtigen Concurrenten der großen Damenconfectionsgeschäfte in Paris "N 
auch in Wien, in denen, wie man sagt, die glänzendsten Toiletten erfunR 
werden, nur geringer Erfolge rühmen, und die berühmten Weine von Johann^ 
berg und Rüdesheim, die grands vins der Gegend von Bordeaux, der 
zösische Champagner, der Portwein und andere solche Weinsorten behaupte" 
ihren alten Ruf und ihre hohen Preise. 
Im Hinblick auf die so verschiedenartigen Werthschätzungen, welchen 
selben Arten von Gütern seitens der einzelnen Menschen unterzogen werdet 
kann man im Anschluß an die von einem berühmten deutschen Volkswirtschaft 
lehrer 1 gegebenen Definitionen mit allem Rechte von einem ab stratte 
oder Gattungs- und einem concreten Werthe sprechen. Der erste | 
liegt dem Verhalten der Menschen hinsichtlich eines Gutes oder einer ( 
stimmten Gattung von Gütern im allgemeinen zu Grunde. Die betreffen 
Werthschätzung des Gutes kann aber in den verschiedenen Fällen ein bloşi^ 
Urtheil des Verstandes bleiben, welches gar keine weitern Folgen hat 
durchaus nicht zum Kaufe des geschätzten Gegenstandes, ja nicht einmal i j 
1 Rau a. a. O. 94 ff.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.