Full text : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

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II.  Buch.  Der  Güteraustausch.

verwendet,  mehr  Kaffee  und  Zucker  als  früher  kauft.  So  ist  es  denn  eine  I
sehr  schwierige  Aufgabe,  eine  Tabelle  aufzustellen,  in  welcher  die  verschiedenen  ¡
Bedürfnisse  der  einzelnen  Menschen  nach  dem  Grade  der  Wichtigkeit,  welche
sie  für  die  Individuen  besitzen,  aneinandergereiht  wären.  Die  augenblicklich
im  Anschluß  an  die  gerade  überwiegende  Gestaltung  der  Verhältnisse  gezahlten  ļ
Preise  sind  kein  sicherer  Maßstab  für  den  Grad,  in  welchem  die  verschiedenen
Gegenstände,  nach  denen  der  Mensch  Verlangen  trägt,  von  ihm  geschätzt  werden,  |
und  es  ist  das  um  so  weniger  der  Fall,  als  gewiffe  Güter  ihrer  Beschaffenheit ­
  nach  nicht  sehr  wesentlich  voneinander  verschieden  sind  und  das  eine  derselben ­
  ohne  große  Unannehmlichkeiten  für  den  Consumenten  an  die  Stelle  dc--andern
  treten  kann.  Das  letztere  ist  namentlich  dann  der  Fall,  wenn  die  j
betreffenden  Individuen  nicht  sehr  verwöhnt  sind  und  keinen  hohen  Werth  auf
die  feinern  Nuancen  legen,  wie  sie  hinsichtlich  des  Geschmacks,  der  Form,  der
Farbe  u.  s.  w.  zwischen  den  verschiedenen  Sorten  der  mannigfachen  Gattung^
von  Gegenständen,  die  dem  menschlichen  Gebrauch  und  Verbrauch  dienen,  gestehen. ­
  Je  größerer  Werth  übrigens  von  einer  beträchtlichen  Anzahl  von  Personen ­
  den  Eigenschaften  gewisser  Kaffee-,  Thee-,  Wein-  und  Zuckersorten  beigelegt ­
  wird,  je  mehr  sich  die  elegante  Welt  in  ihrem  Geschmack  der  Art  und
Weise  zuwendet,  wie  gewisse  wohlgestaltete  Gebrauchsartikel  für  die  höher"
Klassen  liefernde  Productionscentren  ihre  Erzeugnisse  herzustellen  wissen,  desto
weniger  werden  diese  letztem  Preisschwankungen  unterliegen.  Es  ist  "i^
leicht,  einen  Ersatz  dafür  zu  finden,  und  so  können  sich  z.  B.  die  anderwärtigen
  Concurrenten  der  großen  Damenconfectionsgeschäfte  in  Paris  "N
auch  in  Wien,  in  denen,  wie  man  sagt,  die  glänzendsten  Toiletten  erfunR
werden,  nur  geringer  Erfolge  rühmen,  und  die  berühmten  Weine  von  Johann^
berg  und  Rüdesheim,  die  grands  vins  der  Gegend  von  Bordeaux,  der
zösische  Champagner,  der  Portwein  und  andere  solche  Weinsorten  behaupte"
ihren  alten  Ruf  und  ihre  hohen  Preise.
Im  Hinblick  auf  die  so  verschiedenartigen  Werthschätzungen,  welchen
selben  Arten  von  Gütern  seitens  der  einzelnen  Menschen  unterzogen  werdet
kann  man  im  Anschluß  an  die  von  einem  berühmten  deutschen  Volkswirtschaft
lehrer 1  gegebenen  Definitionen  mit  allem  Rechte  von  einem  ab  stratte
oder  Gattungs-  und  einem  concreten  Werthe  sprechen.  Der  erste  |
liegt  dem  Verhalten  der  Menschen  hinsichtlich  eines  Gutes  oder  einer  (
stimmten  Gattung  von  Gütern  im  allgemeinen  zu  Grunde.  Die  betreffen
Werthschätzung  des  Gutes  kann  aber  in  den  verschiedenen  Fällen  ein  bloşi^
Urtheil  des  Verstandes  bleiben,  welches  gar  keine  weitern  Folgen  hat
durchaus  nicht  zum  Kaufe  des  geschätzten  Gegenstandes,  ja  nicht  einmal  i  j
1  Rau  a.  a.  O.  94  ff.
            
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