Full text : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

2.  Ķap.  Die  freie  Preisbildung.  Tie  Marktpreise  (Fortsetzung).  187
geringere  Risico  weit  geringer  werden,  und  seine  Fluctuationen  sind  gegenwärtig ­
  von  weit  beschränkterer  Bedeutung  für  die  Preisgestaltung  als  früher  *.
^as  von  den  Lebensmittelpreisen,  abgesehen  von  Luxusartikeln,  gilt,  findet  bis  zu
kinem  gewissen  Grade  auch  auf  die  Preise  der  nicht  den  Luxusbedürfniffen  dienenden ­
  Bekleidungsstoffe  seine  Anwendung.  Die  Existenz  eines  Weltmarktes  für  die
Baumwolle,  die  Wolle  u.  s.  w.  wirkt  entschieden  ausgleichend,  wenn  auch  bezügļich
  der  Stoffe,  deren  Herstellung  in  so  hohem  Grade  von  der  Mitwirkung  der
Menschlichen  Arbeit  abhängt,  die  Preisschwankungen  der  Löhne,  wie  sie  namentlich
Strikebewegungen  mit  sich  bringen,  diese  ausgleichenden  Folgen  in  hohem
Grade  lähmen.  In  Bezug  auf  gewiffe  Gegenstände,  namentlich  die  Wohnungen, ­
  sind  indessen  die  Preisschwankungen  in  der  Neuzeit  weit  beträchtlicher
geworden  als  früher.  Bezüglich  der  Wohnungen  läßt  sich  diese  Erscheinung
şehr  leicht  erklären.  Wie  hätten  die  Wohnungspreise  in  den  großen  und
geößern  Städten  nicht  steigen  sollen,  nachdem  sich  eine  Art  von  Völkerwanderung ­
  gebildet  hat,  die  jahrein  jahraus  Tausende  und  aber  Tausende
^rthin  führt?
Uebrigens  sind  die  Preisschwankungen,  von  denen  wir  bis  jetzt  gesprochen
^wben,  sorgfältig  von  den  dauernden  Preis  um  ge  statt  ungen,  d.  h.
^  Aenderungen  int  durchschnittlichen  Marktpreis  einer  länger»
Periode  zu  unterscheiden.  Wie  viele  Jahre  bei  der  Berechnung  solcher  Durchşchnittspreise
  zu  Grunde  zu  legen  sind,  richtet  sich  nach  der  Art  der  Güter,  um  die
^  sich  handelt.  Für  die  Kornpreise  kommen  mindestens  20—30  Jahre  in
betracht,  für  die  Jndustrieproducte  weit  weniger.  Auch  kommt  es  auf  den
^weck  an,  zu  welchem  die  Berechnung  vorgenommen  wird.  Wollen  wir  z.  B.
^  Ķaufkraft  des  in  Geld  gezahlten  Lohnes  eines  modernen  Taglöhners  beschneit, ­
  so  haben  wir  die  Durchschnittspreise  der  verschiedenen  von  einem  solchen
Nöthigten  Gegenstände  in  der  Weise  festzustellen,  daß  wir  die  Preise  der
^ten  fünf  oder  sechs  Jahre  in  Betracht  ziehen.  Dagegen  tnüssen  sich  die
kobachtungen  auf  eine  weit  längere  Periode  erstrecken,  wenn  es  sich  darum
wndelt,  sich  die  Wirkungen,  welche  die  Entdeckung  und  Ausbeutung  bedeutender
oGlager  auf  die  Preise  im  allgemeinen  ausübt,  klar  zu  machen.
Es  lassen  sich  übrigens  alle  Veränderungen  in  den  Marktpreisen  in  zwei
läppen  zusammenfassen.  Die  eine  umfaßt  die  Schwankungen  infolge  des
änderten  Tauschwerthes  des  Geldes,  die  andere  die  aus  andern  Gründen  ent-^ŗingenden.
  Die  Aenderungen  ersterer  Art  äußern  sich  dahin,  daß  alle
n  englischen  Transportfirmen  beanspruchten  früher  große  Unternehmergewinne,
w  allermindesten  10—20°/«.  Beim  Getreidegeschäft  aus  den  Ländern  am  Schwarzen
kiişşļ  ^rechnete  man  sogar  solche  von  100-200°/«.  Vgl.  über  die  Umwälzungen  im
Ķ  Elchen  Getreidehandel,  welche  zu  einer  großen  Verbilligung  der  Preise  geführt  haben,
tl  ñuchs,  Der  englische  Getreidehandel  und  seine  Organisation.  Leipzig  1890.
            
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